Die Weißtannen über Laurenzana sind nicht die der Alpen: Die Nadeln enden runder, das Grün ist heller, und Botaniker führen sie als örtliche Varietät von Abies alba. Merkwürdiger ist, dass sie überhaupt dort stehen. In dieser Höhenlage müssten Buchen- und Zerreichenwälder wachsen, stattdessen hält sich ein Stück Tannenwald als extrazonaler Bestand, außerhalb des erwarteten Areals. 330 Hektar sind es, seit 1988 Regionalreservat, verwaltet von der Provinz Potenza gemeinsam mit dem WWF und der Gemeinde Laurenzana.
Sehenswertes
Ein reiner Tannenwald ist das nicht. Die Pflanzengesellschaft wird als Aquifolium-Fagetum eingeordnet: Neben den Tannen stehen Stechpalme, Zerreiche und die übrigen Arten des mesophilen Waldes, und gerade diese Mischung macht die Phytozönosen weit vielfältiger als in den echten Tannenwäldern Norditaliens. Die Società Botanica Italiana hat den Ort als Biotop von außerordentlichem Umweltinteresse eingestuft, und daraus ist der Schutz entstanden.
Die Tierwelt hört man öfter, als man sie sieht. Unter den Beutegreifern leben hier der Apenninwolf, die Wildkatze und der Steinmarder; unter den Vögeln der Schwarzspecht, der Rotmilan und der Schwarzmilan, der Mäusebussard und drei Nachtjäger: Steinkauz, Waldkauz und Waldohreule.
Der Besuch
Man startet im Ort auf 850 m und steigt auf dem Weg durch die Abetina in den Wald hinauf; 330 Hektar lassen sich zu Fuß begehen. Das Erste, worauf man schauen sollte, ist keine Aussicht, sondern ein Baum: Ziehen Sie einen tiefen Zweig herunter und vergleichen Sie die Nadeln mit dem Bild der Gebirgstanne im Kopf. Für Zugang und Führungen ist die Provinz Potenza zuständig, die das Gebiet mit dem WWF betreut.
Tipp der Redaktion
Suchen Sie den Rand. Die Stelle, an der die Tannen ausdünnen und Buchen und Zerreichen übernehmen, erkennt man mit bloßem Auge, und auf wenigen Metern steht der ganze Grund für den Schutz dieses Waldes vor Ihnen. Bleiben Sie dort ein paar Minuten still: Den Schwarzspecht hört man lange, bevor man ihn sieht.
