⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di Santo Stefano

📍 Montemilone, Basilikata · 47/100

Die Mutterkirche von Montemilone stammt von 1861, bewahrt aber etwas fast sechs Jahrhunderte Älteres: die hölzerne Statue der Madonna del Bosco, auch Santa Maria Gloriosa genannt, wohl am Ende des 13. Jahrhunderts geschnitzt. Den heutigen Bau, gewollt von Ferdinand II. beider Sizilien, entwarf Nicola Maria Bevilacqua aus Minervino Murge nach einer Reihe verworfener Vorschläge - die Ratsbeschlüsse führen sie einzeln auf -, ausgeführt haben ihn die Brüder Francesco Saverio und Pasquale Panzini aus Molfetta, über einer älteren gotischen Kirche, von der nur Abschnitte in den Umfassungsmauern übrig sind. Von jener Kirche berichten eine Handschrift von 1729 und das Wörterbuch des Königreichs Neapel, das der Abt Francesco Sacco 1796 zusammenstellte.

Sehenswertes

Die Statue ist grob gearbeitet und hat in der Basilikata keine Entsprechung. Die Jungfrau sitzt auf dem Thron und drückt das Kind an die Brust; die Diademe verweisen auf französische Arbeiten der nachkarolingischen Zeit und auf cluniazensischen Einfluss, während Gewänder und Bemalung byzantinisch sind, ebenso wie der Bildaufbau, der der Madonna Hodegetria nahesteht. Byzantinisch ist auch die segnende Hand des Kindes: Zeige- und Mittelfinger offen, die übrigen geschlossen.

Der Rest gehört dem 19. und 20. Jahrhundert. Lateinischer Kreuzgrundriss, ein einziges Schiff mit sechs Seitenkapellen - rechts Santa Rita, San Rocco und Santo Stefano, links Sant'Antonio, Santa Lucia und die Madonna del Bosco -, Pilaster mit ionischen Kapitellen, ein kassettiertes Tonnengewölbe und eine Kuppel über der Vierung. In den vier Zwickeln stehen die Evangelisten, 1946 von Domenico Pennino aus Avellino mit seinem Sohn Rocco und einheimischen Handwerkern gemalt. Das große Apsisfenster von 1939 kam aus der Werkstatt Pizzarini in Bari: Stephanus hält links die Märtyrerpalme und das Lektionar, rechts den Stein, der ihn tötete. Hinter dem Hochaltar steht die Orgel von 1934, fünf Jahre später auf Wunsch des Pfarrers don Vincenzo Merra erweitert.

Der Besuch

Die Fassade besteht aus Kalkstein von Minervino, die Umfassungsmauern aus grob zugehauenen Bruchsteinen: Sehen Sie sich diese vor dem Eintreten an, denn dort überlebt die gotische Kirche. Drinnen steht die Statue nicht immer an ihrem Platz: Zum Patronatsfest wird sie zum Santuario della Gloriosa vor dem Ort getragen. Von 1904 bis 1991 wurde der Bau immer wieder umgearbeitet, nach Erdbeben und um ihn der veränderten Liturgie anzupassen.

Tipp der Redaktion

Treten Sie nah an die Statue heran und zählen Sie die Finger der Kinderhand: zwei offen, drei geschlossen, der griechische Segensgestus, nicht der lateinische. Dieses Detail ordnet das Werk genauer ein als jede Jahreszahl.

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