Dreimal im Jahr schaut ganz Neapel auf eine Ampulle: am ersten Samstag im Mai, am 19. September und am 16. Dezember, wenn das im Dom verwahrte Blut des heiligen Januarius sich verflüssigt, oder auch nicht, und die Stadt im Ergebnis ihr Jahr liest. Die Kathedrale Santa Maria Assunta ist die Mutterkirche der Diözese, aber für alle ist sie einfach der Dom des San Gennaro. In Auftrag gegeben von Karl I. von Anjou, 1290 unter Karl II. begonnen und 1313 unter Robert vollendet, ist sie angevinische Gotik, errichtet über zwei frühchristlichen Basiliken, die noch zu sehen sind.
Sehenswertes
Die Kathedrale enthält drei Kirchen in einer. Vom linken Seitenschiff öffnet sich Santa Restituta, die Basilika, die Bischof Zosimus 334 auf dem Apollotempel gründete, mit dem Baptisterium San Giovanni in Fonte, dem ältesten des Abendlandes, das Mosaiken aus dem vierten Jahrhundert bewahrt. Vom rechten Seitenschiff betritt man die Kapelle des Schatzes von San Gennaro, entstanden aus dem Gelübde der Neapolitaner während der Pest von 1526: Fresken von Domenichino und Lanfranco, Altarbilder von Ribera und Stanzione, der Altar von Solimena und das Bronzegitter von Cosimo Fanzago. Die Reliquien des Heiligen sind hier.
Das hundert Meter lange Mittelschiff hat eine vergoldete Kassettendecke aus dem siebzehnten Jahrhundert und Leinwände von Luca Giordano; unter dem Hochaltar bewahrt die Succorpo-Kapelle von Tommaso Malvito die Gebeine des Heiligen, und die im Decamerone erwähnte Minutolo-Kapelle hat Fresken aus dem vierzehnten Jahrhundert. Unter den Gräbern die von Papst Innozenz IV. und Karl I. von Anjou. Die neugotische Fassade stammt von Errico Alvino, vollendet 1905, doch die drei gotischen Portale sind von 1407, mit den Löwen von Tino di Camaino.
Der Besuch
Die Kirche ist täglich geöffnet, der Eintritt frei; kostenpflichtig sind das Baptisterium, die Ausgrabungen unter Santa Restituta mit einer griechischen Mauer und einem Stück römischer Straße sowie nebenan das Museum des Schatzes von San Gennaro mit dem Gold, das dem Heiligen über die Jahrhunderte geschenkt wurde. Der Dom steht an der Via Duomo, der Straße, die die Altstadt durchschneidet, wenige Schritte vom Decumanus der Via dei Tribunali.
Tipp der Redaktion
Wenn Sie an den Tagen des Wunders nicht in Neapel sind, gehen Sie trotzdem in die Schatzkapelle und beobachten Sie die Gesichter der Neapolitaner vor der silbernen Büste des Heiligen: Das Verhältnis ist familiär, man spricht laut mit ihm. Das rechte Portal öffnet sich der Tradition nach nur zum Fest des San Gennaro.
