⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Giorgio Maggiore

📍 Napoli, Kampanien · 64/100

Diese Kirche ist seit sechzehnhundert Jahren in die Geschichte Neapels ein- und ausgetreten, und jedes Mal kam sie gedreht heraus: Bischof Severus gründete sie zwischen dem vierten und fünften Jahrhundert, und sie war eine der vier Pfarreien der mittelalterlichen Stadt. Ein Brand zerstörte sie 1640, und Cosimo Fanzago baute sie barock neu, indem er die Ausrichtung umkehrte: Was die frühchristliche Apsis gewesen war, wurde der Eingang, und man tritt noch heute unter einer Apsis des fünften Jahrhunderts mit ihren Säulen hindurch. Dann kamen der Aufstand Masaniellos, die Pest von 1656, das Erdbeben von 1688 und schließlich im neunzehnten Jahrhundert der Sanierungsplan, der zur Verbreiterung der Via Duomo ein ganzes Seitenschiff verschlang.

Sehenswertes

Der Eingang, das Außergewöhnlichste: Man geht zwischen Granitsäulen und unter dem Bogen der Apsis der Kirche des heiligen Severus hindurch, die 1881 wieder zum Vorschein kam, als der Palast abgerissen wurde, der sie umschlossen hatte; es sind Steine des fünften Jahrhunderts, unter den ältesten Neapels, und sie stehen dort als Tor. Innen die Kirche Fanzagos, mit einem Schiff und Kapellen, dem Marmorhochaltar und der barocken Ausstattung.

In der Apsis das Fresko des siebzehnten Jahrhunderts von Aniello Falcone mit dem heiligen Georg, der den Drachen tötet, bei den Restaurierungen von 1992 freigelegt; in den Kapellen Leinwände des neapolitanischen siebzehnten Jahrhunderts und das Grabmal; und überall in der Kirche die Spuren all dessen, was ihr widerfuhr: die abgeschnittene Wand, wo das rechte Seitenschiff war, die schlichte, nackte Front des neunzehnten Jahrhunderts zur Via Duomo und die Hauptfassade am Plätzchen der Crocelle ai Mannesi, mit dem Medaillon des heiligen Georg zu Pferd im Giebel und der Madonna in der Nische.

Der Besuch

Die Kirche liegt an der Via Duomo, an der Kreuzung mit Spaccanapoli, zehn Minuten vom Hauptbahnhof und fünf vom Dom; Eintritt frei zu Kirchenzeiten mit Mittagsschließung. Eine Viertelstunde. Sie steht dort, wo sich Cardo und Decumanus der griechischen Stadt kreuzten: ringsum liegt das dichteste Altneapel.

Tipp der Redaktion

Bleiben Sie vor dem Eintreten auf der Schwelle stehen und schauen Sie im Bogen nach oben: Diese Wölbung ist die Apsis einer Kirche des fünften Jahrhunderts, und Sie gehen darunter hindurch, um eine Kirche des siebzehnten zu betreten. Es ist die neapolitanische Art, mit der Vergangenheit umzugehen: Man reißt sie nicht ab und stellt sie nicht ins Museum, man benutzt sie als Tür.

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