Dieser Palast erzählt einen Streit zwischen einer Bauherrin und ihrem Architekten. Die Herzogin Marianna di Sangro wollte eine Instandsetzung, die die alten Teile bewahrte, darunter die Treppe des siebzehnten Jahrhunderts von Cosimo Fanzago; der Architekt Mario Gioffredo dagegen riss ab und baute nach eigenem Sinn neu. Die Herzogin stellte die Zahlungen ein, 1761 kam die Baustelle zum Stillstand, und der Prozess um das Honorar dauerte bis nach dem Tod beider.
Sehenswertes
Das Gebäude, das man am Platz sieht, ist das Ergebnis jener unterbrochenen und später fortgesetzten Arbeit: die Fassade des achtzehnten Jahrhunderts, maßvoll und klar, blickt auf San Domenico Maggiore und ist eine der Fronten, die einen der schönsten Plätze Neapels schließen. Der Geschmack ist der des reifen neapolitanischen achtzehnten Jahrhunderts, ohne dekorative Übertreibung.
Beim Ausheben der Fundamente kamen auf jener streitbaren Baustelle Stücke der griechischen Stadtmauer zutage, aus dem vierten Jahrhundert vor Christus: Ein Teil dieser Steine ist hinter dem Palast noch zu sehen. Es ist die neapolitanische Art zu bauen: Man gräbt für einen Palast des achtzehnten Jahrhunderts und findet die Stadt von zweitausenddreihundert Jahren zuvor.
Der Besuch
Der Palast steht an der Piazza San Domenico Maggiore, mitten in der Altstadt, fünf Minuten von der Metrostation Dante; er ist privat und wird nicht besichtigt: Man sieht die Fassade vom Platz. Zehn Minuten.
Tipp der Redaktion
Stellen Sie sich in die Mitte des Platzes und drehen Sie sich langsam: auf der einen Seite die Kirche San Domenico mit der Apsis zu Ihnen, auf der anderen die Adelspaläste, in der Mitte die barocke Spitzsäule. Suchen Sie dann hinter dem Gebäude das Stück griechischer Mauer: zwei Epochen fünfzig Meter voneinander entfernt, ohne ein Schild, das es erklärt.
