Wenige Schritte vom Kolosseum entfernt, an der alten Triumphstraße zwischen Palatin und Caelius, steht der Konstantinsbogen. Der Senat widmete ihn dem Gedenken an den Sieg über Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke (28. Oktober 312); eingeweiht wurde er 315, zu den decennalia, den zehn Regierungsjahren des Kaisers. 21 Meter hoch, fast 26 breit und 7,40 tief, mit einem mittleren Durchgang und zwei kleineren an den Seiten, ist er einer der drei Triumphbögen, die sich in Rom erhalten haben, neben denen des Titus und des Septimius Severus – und er war das erste Bauwerk des Reiches, das einen Sieg von Römern über Römer feierte.
Das Besondere an ihm: Er ist eine Collage. Ein Großteil der Marmorteile, der Bauglieder und der Skulpturen stammt von älteren Denkmälern, die man abtrug und hier erneut verbaute. Sparsamkeit allein war das nicht. Indem er die „guten Kaiser“ des 2. Jahrhunderts zitierte, stellte sich Konstantin als ihr unmittelbarer Erbe dar, und die Köpfe auf den übernommenen Reliefs wurden so lange nachgearbeitet, bis sie seine Züge trugen.
Sehenswertes
Im Attikageschoss stehen zu beiden Seiten der Inschrift die Reliefplatten aus der Zeit Mark Aurels, an den Schmalseiten die Platten eines großen trajanischen Frieses; über den Säulen die Statuen der Daker aus Pavonazzetto-Marmor, ebenfalls trajanisch. Über den seitlichen Durchgängen laufen die Paare hadrianischer Tondi mit Opferszenen für die heidnischen Gottheiten, darunter der lange, in konstantinischer Zeit gemeißelte Relieffries. In der Weiheinschrift ist die Wendung instinctu divinitatis – „auf Eingebung der Gottheit“ – wohl mit Absicht mehrdeutig: 315 hielt Konstantin noch eine sorgsam berechnete Gleichdistanz zwischen den Religionen.
Der Besuch
Den Bogen siehst du nur von außen, am besten, indem du ihn einmal ganz umrundest: Schauseiten und Flanken tragen jeweils eigene Bildprogramme, und die kleineren Inschriften über den seitlichen Durchgängen verweisen auf die Feiern zum zehnten und zum zwanzigsten Regierungsjahr. Auch in jüngerer Zeit ist die Geschichte dicht an ihm vorbeigezogen: 1530 wurde Lorenzino de’ Medici aus Rom vertrieben, weil er zum Vergnügen einige Köpfe von den Reliefs geschlagen hatte, die man im 18. Jahrhundert teilweise ergänzte, und 1960 diente der Bogen als Ziel des olympischen Marathons, den der Äthiopier Abebe Bikila barfuß gewann.
Tipp der Redaktion
Komm früh, bevor sich das Areal um das Kolosseum füllt, und nimm dir die Reliefs aus der Nähe vor. Unser Spiel dabei: die Epochen auseinanderhalten. Die Daker und der Fries der Attika sprechen von Trajan, die Tondi von Hadrian, die oberen Platten von Mark Aurel, während sich die konstantinischen Teile durch ihre vereinfachten Profile verraten. Offizielle römische Skulptur als Freilichtmuseum, zusammengedrängt in einem einzigen Bauwerk.
