⛪ Kirchen und Heiligtümer

basilica di San Pietro in Vincoli

📍 Roma, Latium · 78/100

Die Basilika wurde 432 auf dem Esquilin nahe den Titusthermen von Licinia Eudoxia erbaut, der Tochter Theodosius' II. und Frau Valentinians III., von der sie den zweiten Namen Basilica Eudoxiana hat. Von jener Frau sollte man auch das Übrige wissen: Sie ist dieselbe, die die Vandalen nach Rom rief, die es 455 plünderten. Die Kirche entstand dort, wo bereits ein christlicher Kult bestand, der titulus apostolorum, und unter dem Fußboden haben Grabungen ein dichtes römisches Stadtgefüge gefunden.

Sehenswertes

Weswegen fast alle hereinkommen, steht rechts: das Grabmal Papst Julius' II. mit dem Moses von Michelangelo. Der Rest der Kirche ist Jahrhunderte älter und verdient einen ruhigen Blick, denn der Bau ist noch der frühchristliche, etwa achtundzwanzig Meter breit und sechzig lang. Das heutige Aussehen mit der Eingangsvorhalle stammt aus der von Julius II. selbst veranlassten Erneuerung, der auch das angrenzende Kloster umbauen ließ; den Entwurf des Kreuzgangs schreibt Vasari Giuliano da Sangallo zu.

Der Besuch

Der Name der Kirche erklärt, warum es sie gibt. Der Überlieferung nach erhielt Aelia Eudocia, die Mutter der Stifterin, auf einer Reise nach Palästina vom Patriarchen von Jerusalem die Ketten, die Petrus während der von Herodes Agrippa befohlenen Haft gefesselt hatten, und beauftragte ihre Tochter, sie nach Rom zu bringen. Hier zeigte Licinia Eudoxia sie Papst Leo I., der sie an jene Ketten hielt, die Petrus im Mamertinischen Kerker getragen hatte: Die beiden verschmolzen unwiderruflich. Die Basilika wurde gebaut, um sie zu verwahren, und 439 geweiht.

Tipp der Redaktion

Jenes Wunder war nicht nur Frömmigkeit. Eine Kette kam aus dem Osten und eine aus dem Westen, und ihr Zusammenschweißen wurde als Zeichen eines sehr starken Bandes zwischen den beiden Reichen gelesen, vielleicht einer nie erfolgten Wiedervereinigung, von Gott gewollt und gesegnet. Es waren Jahre, in denen sowohl das Reich als auch das Papsttum die Grenzen kaum gegen die Einfälle der Barbaren halten konnten, die bis vor Rom kamen, und ein solches Zeichen wog schwer. Dahinter bleibt jedoch die Ironie der Geschichte: Wer diese Kirche bauen ließ, um jene Einheit zu feiern, ist dieselbe, die den Vandalen die Tür öffnete. Noch eines: Nach der Einigung Italiens wurde das Kloster nebenan Sitz der Ingenieurfakultät, und der Brunnen im Hof ist noch immer deren Sinnbild.

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