⛪ Kirchen und Heiligtümer

Basilica di Santa Maria in Trastevere

📍 Roma, Latium · 77/100

Der Überlieferung nach wurde die Basilika von Papst Calixtus I. an der Stelle gegründet, an der Öl aus dem Boden quoll, und von Julius I. vollendet. Was man heute sieht, ist jedoch der Neubau des zwölften Jahrhunderts: Innozenz II. ließ sie ab 1138 neu errichten, zum Teil mit Spolienmaterial aus den Caracalla-Thermen, also mit den Stücken einer römischen Badeanlage. Der Papst starb, bevor das Werk fertig war, hinterließ aber das Geld, damit die Arbeiten weitergingen.

Sehenswertes

Die Apsis. In der Kalotte krönt Christus die Jungfrau, und die beiden sitzen auf demselben Thron, was keine übliche Art ist, sie darzustellen. Links steht Innozenz II. mit dem Modell der Basilika in der Hand: derjenige, der bezahlt hat, abgebildet zusammen mit dem, wofür er bezahlt hat. Am großen Bogen stehen die Propheten Jeremia und Jesaja, die Symbole der vier Evangelisten und die sieben Leuchter der Apokalypse, dazwischen ein goldenes Kreuz zwischen Alpha und Omega. Darunter zwölf Schafe für die Apostel und das Lamm.

Der Besuch

Unter dem älteren Mosaik läuft ein Band mit Geschichten der Jungfrau, das Pietro Cavallini 1291 signierte, und es lohnt sich, die beiden Teile nacheinander zu betrachten: oben die byzantinische Manier, unten eine neue Empfindsamkeit, aufmerksam für die Körperlichkeit der Figuren. Zwei Arten, Mosaik zu machen, an derselben Wand, anderthalb Jahrhunderte auseinander. Draußen, hoch an der Fassade, sitzt ein weiteres Mosaik aus dem dreizehnten Jahrhundert: Maria thronend, das Kind stillend, flankiert von zehn Frauen mit Lampen. Und in einer Nische an der Spitze des romanischen Glockenturms versteckt sich eine Madonna mit Kind.

Tipp der Redaktion

Es gibt eine Hypothese von Ernst Kitzinger, die das Apsismosaik erklären würde. Im Mittelalter fand in Rom in der Nacht von Mariä Himmelfahrt eine große Prozession statt: das Acheiropoieton-Bild des Erlösers wurde vom Lateran nach Santa Maria Maggiore getragen, vor die Salus populi romani, fast eine Umarmung zwischen Mutter und Sohn. Die beiden Hauptfiguren des Mosaiks halten Schriftrollen mit Stellen aus dem Hohelied, und während jener Prozession sang man eben Abschnitte aus diesem Buch. Wenn die Hypothese trägt, zeigt jene Kalotte keine himmlische Szene, sondern eine römische Nacht, an eine Wand geheftet.

Roma entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.