⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa del Gesù

📍 Roma, Latium · 80/100

Die Mutterkirche der Gesellschaft Jesu ist das Vorbild, das die Jesuiten in aller Welt nachgebaut haben, von Rom bis Manila. Ignatius von Loyola wünschte sie sich schon 1551, doch die Bauarbeiten begannen erst 1568, als Kardinal Alessandro Farnese, Enkel von Paul III., einen Fonds für den Bau einrichtete. Nach ersten Entwürfen von Nanni di Baccio Bigio und einer Überarbeitung durch Michelangelo im Jahr 1554 ging das Projekt an Vignola, der die Arbeiten bis zu seinem Tod 1573 leitete; ihm folgte Giacomo Della Porta, von dem Fassade und Kuppel stammen. Geweiht wurde die Kirche am 25. November 1584.

Der Grundriss spiegelt den Geist des Konzils von Trient: ein einziges großes, tonnengewölbtes Schiff ohne Seitenschiffe, damit sich die Aufmerksamkeit der Gläubigen ganz auf den Altar und die Predigt richtet. Vorbild war Albertis Sant'Andrea in Mantua, und die Formel machte Schule: Il Gesù ist der Übergangspunkt zwischen Klassizismus, Manierismus und Barock.

Sehenswertes

Das Meisterwerk liegt über dir: Der Triumph des Namens Jesu von Baciccia (Giovan Battista Gaulli) durchbricht die Decke illusionistisch, mit Figuren, die über den vergoldeten Rahmen hinauszustürzen scheinen, den die Stuckengel des Ercole Antonio Raggi tragen. Derselbe Baciccia freskierte zwischen 1672 und 1685 auch die Kuppel Della Portas. Das andere große Werk ist die Kapelle des heiligen Ignatius, während die Herz-Jesu-Kapelle das 1767 auf Kupfer gemalte Bild von Pompeo Batoni bewahrt, das erste in Italien nach den Erscheinungen der heiligen Margareta Maria Alacoque.

Der Hochaltar von Antonio Sarti (1843) trägt ein Altarbild von Alessandro Capalti mit der Beschneidung Jesu: Das Motiv erinnert an den Moment, in dem das Kind nach jüdischer Tradition seinen Namen erhält — ein Verweis auf das Patrozinium der Kirche, den Allerheiligsten Namen Jesu. Ein Mechanismus lässt die Leinwand herab und gibt eine Statue des Heiligsten Herzens frei; eine ähnliche Vorrichtung gibt es am Ignatius-Altar.

Der Besuch

Die Kirche liegt an der Piazza del Gesù, und seit 2002 setzt eine Beleuchtungsanlage die Fassade auch nachts in Szene, angefangen beim Schild mit dem Christusmonogramm über dem Portal. Innen tun die drei Kapellen je Seite und die verkürzten Querhausarme genau das, was Vignola wollte: Sie bündeln den Blick das Schiff entlang zum Altar. Tritt durch das Mittelportal ein und geh langsam hindurch, dann merkst du, wie die Wirkung wächst.

Tipp der Redaktion

Such auf dem Boden des Mittelschiffs die Stelle mit dem Monogramm «IHS», die Kardinal Giovanni Francesco Negrone anbringen ließ: Sie markiert den idealen Standpunkt für das Fresko Baciccias, das genau auf diese Perspektive berechnet wurde. Stell dich exakt dorthin und heb den Kopf: Der Rahmen löst sich auf, und das Gewölbe scheint sich zum Himmel zu öffnen. Komm dann am Abend noch einmal vorbei, wenn das beleuchtete Monogramm über dem Portal aus dem Dunkel des Platzes heraustritt.

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