⛪ Kirchen und Heiligtümer

basilica di Santa Maria sopra Minerva

📍 Roma, Latium · 78/100

Der Name sagt, die Kirche stehe über einem Minervatempel, und das ist ein Missverständnis, das jahrhundertelang haften blieb. Im achten Jahrhundert gab es hier ein der Jungfrau geweihtes Oratorium namens Minervum, denn das Gebiet entsprach einem weiten römischen Heiligtumsbezirk mit dem Tempel der Isis und des Serapis und dem der Minerva Chalcidica, den Domitian auf dem Marsfeld errichtet hatte. Man glaubte, die Kirche sei genau über jenem Tempel entstanden; der Tempel wurde inzwischen anderswo lokalisiert, auf der Höhe der heutigen Kirche Santa Marta an der Piazza del Collegio Romano. Der Name ist derselbe geblieben.

Sehenswertes

Sie ist eines der ganz wenigen Beispiele gotischer Architektur in Rom. Die Dominikaner begannen sie 1280, finanziert von Bonifatius VIII. und vielen Gläubigen, mit Santa Maria Novella in Florenz als Vorbild, dessen Elemente sie stark vereinfachten. Drinnen ruhen Katharina von Siena, Fra Angelico und Papst Benedikt XIII., und es gibt Fresken von Melozzo da Forlì und Filippino Lippi. Draußen, vor der Fassade, steht der ägyptische Obelisk, aufgesetzt auf das Elefäntchen, das Ercole Ferrata nach Berninis Entwurf gemeißelt hat.

Der Besuch

Die Gotik, die man sieht, hat einiges hinter sich. Um das siebzehnte Jahrhundert verwandelten Umbauten die Spitzbögen der Schiffe in Rundbögen, und die Kirche bekam ein barockes Gesicht; Mitte des neunzehnten Jahrhunderts riss eine Restaurierung fast alle barocken Zutaten wieder ab und überzog die kahl gebliebenen Wände mit neugotischen Fresken. Auch die Fassade sagt nicht die Wahrheit über das Innere: Sie ist vorwiegend romanisch und lässt die Gewölbe dahinter nicht ahnen. Fast drei Jahrhunderte blieb sie in nacktem Backstein, bis Benedikt XIII. sie vollenden ließ.

Tipp der Redaktion

Sehen Sie sich die rechte Seite der Fassade an, in Kopfhöhe und ein Stück darüber. Dort sind die Tafeln, die im Lauf der Jahrhunderte festhielten, wie weit der Tiber bei den Überschwemmungen gekommen war. Die älteste stammt von 1422, unter Papst Martin V.; jene, die den höchsten je erreichten Stand angibt, trägt das Datum Januar 1548; die jüngste ist vom Dezember 1870. Sie sitzen dort übereinander und erzählen mehr als jedes Denkmal davon, was es hieß, in Rom zu leben, bevor der Fluss gebändigt wurde.

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