Das Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II. — für alle nur das Vittoriano oder der Altar des Vaterlandes — bedeckt die Nordflanke des Kapitols über der Piazza Venezia. Das Gesetz zu seiner Errichtung wurde 1878 verabschiedet, im Todesjahr des ersten Königs von Italien; es folgten zwei internationale Wettbewerbe, den ersten gewann der Franzose Henri-Paul Nénot, doch unter heftigem Streit legte man ihn beiseite. Die Baustelle öffnete erst 1885 nach dem Entwurf von Giuseppe Sacconi, die Einweihung kam 1911 zum fünfzigsten Jahrestag der Einheit, und die Arbeiten endeten endgültig 1935.
Sacconi dachte es als modernes Forum: eine Agora auf drei Ebenen, durch Freitreppen verbunden und von einem Säulengang mit 15 Meter hohen Säulen bekrönt. Die Maße sagen viel über das Unternehmen — 135 Meter Breite, 70 Meter Höhe, mit den bronzenen Quadrigen 81, allein 243 Stufen in den äußeren Treppen — und ebenso viel sagen die Abbrüche, die zwischen 1884 und 1899 ein ganzes Stück mittelalterlicher Stadt auslöschten, um ihm Platz zu machen.
Sehenswertes
Das architektonische Zentrum ist das Reiterstandbild Viktor Emanuels II., das einzige nicht allegorische Werk der ganzen Anlage: alles andere — die geflügelten Viktorien, die Personifikationen, die pflanzlichen Zeichen wie der Lorbeer des siegreichen Friedens und der Ölbaum der Eintracht — erzählt das Risorgimento in Figuren. Auf der mittleren Terrasse steht der eigentliche Altar des Vaterlandes, der Altar der Göttin Roma, der seit 1921 das Grabmal des Unbekannten Soldaten aufnimmt: Hier legt der Staatspräsident am 25. April, am 2. Juni und am 4. November einen Lorbeerkranz nieder. Am Fuß des Denkmals lässt sich das Museum des Risorgimento besuchen.
Der Besuch
Der Weg ist ein Spaziergang bergauf zwischen Terrassen und Treppen, angelegt ohne festes Ziel: Zum oberen Teil führen zwei Zugänge, einer je Propyläon. Vom Säulengang bringen dich 196 Stufen auf die oberste Terrasse; seit 2007 fährt ein Panoramaaufzug direkt nach ganz oben, wo der Blick über Rom volle 360 Grad umfasst.
Tipp der Redaktion
Steig am späten Nachmittag hinauf, wenn das flache Licht den Marmor wärmt: Von der Quadrigenterrasse überblickst du auf der einen Seite die Foren und das Kolosseum, auf der anderen die Piazza Venezia und die Kuppeln des Zentrums. Bevor du hinuntergehst, such die Widmungen der beiden Propyläen, eine der Einheit des Vaterlandes und eine der Freiheit der Bürger: das Programm des ganzen Denkmals in wenigen Worten.
