Die Galleria Nazionale entstand 1883, wenige Jahre nach der Einigung Italiens und kurz nachdem Rom Hauptstadt geworden war: Man brauchte ein Museum für zeitgenössische Künstler, lebende oder eben verstorbene. Der erste Sitz war der Palazzo delle Esposizioni an der Via Nazionale, und er hatte einen schweren Mangel: Jedes Mal, wenn eine Sonderausstellung aufgebaut wurde, mussten die Werke der Sammlung von den Wänden. Zum fünfzigsten Jahrestag der Einigung errichtete man daher in Valle Giulia das heutige Gebäude, den von Cesare Bazzani entworfenen Palast der schönen Künste.
Sehenswertes
Es ist die vollständigste Sammlung Italiens zur Kunst des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, italienischer wie ausländischer: fast zwanzigtausend Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen. Da sind Neoklassizismus und Impressionismus, Divisionismus, die historischen Avantgarden des frühen Jahrhunderts, Futurismus und Surrealismus, und vor allem der umfangreichste Bestand italienischer Kunst zwischen den zwanziger und den vierziger Jahren, von der Bewegung Novecento bis zur Römischen Schule und weiter in die zweite Jahrhunderthälfte.
Der Besuch
Seit 2016 folgt die Hängung nicht mehr der Chronologie: Sie heißt Time is out of joint, zeigt weniger Werke und stellt sie über die Jahrzehnte hinweg nebeneinander, sodass ein Marmor des neunzehnten Jahrhunderts im selben Saal einer zeitgenössischen Installation gegenüberstehen kann. In derselben Zeit hat das Haus sein Kürzel abgelegt und nennt sich schlicht La Galleria Nazionale.
Tipp der Redaktion
Es lohnt sich zu wissen, wessen Museum man besucht. 1941 wurde Palma Bucarelli Superintendentin und blieb es mehr als dreißig Jahre. Während des Krieges brachte sie die Werke heimlich in den Palazzo Farnese von Caprarola und dann in die Engelsburg; nach der Befreiung Roms öffnete sie die Galerie unter tausend Schwierigkeiten wieder. Dann begann sie, den Italienern zu zeigen, was das Regime ferngehalten hatte: Picasso, Mondrian, Pollock. 1959 erregte Burris großer Sack einen Skandal, und mit der Ausstellung von Piero Manzoni riskierte sie ihren Posten. Sie gab dem Museum die Bibliothek, den Bildungsdienst, das Café, die Buchhandlung, die Begegnungen mit Künstlern und sogar die Modenschauen. Ein Detail sagt alles über die Zeit davor: Der Erweiterungsbau von 1933, wieder von Bazzani entworfen, verdoppelte die Ausstellungsfläche, doch diese Säle bekam die Galerie nie, denn dort wurde die Ausstellung der Faschistischen Revolution eingerichtet.
