🏰 Burgen und Schlösser

palazzo del Laterano

📍 Roma, Latium · 76/100

Dies ist nicht der Palast, der den Lateran berühmt gemacht hat. Ein Jahrtausend lang wohnten die Päpste hier im Patriarchio, und was davon übrig war, ließ Sixtus V. abreißen und an seine Stelle den heutigen Bau setzen, deutlich kleiner, entworfen von Domenico Fontana nach dem Vorbild des Palazzo Farnese. Ab 1586 diente er wieder, doch als Sommerresidenz. Der Rest der Anlage hat noch die Anmutung der alten Zitadelle: die Basilika, das Baptisterium, die Heilige Treppe mit der Kapelle Sancta Sanctorum und, auf dem Platz, der Obelisk.

Sehenswertes

Man sollte hinsehen und dabei an das denken, was hier war. Die gesamte Front des alten Palastes nahm die Aula Concilii ein, ein großer Raum mit elf Apsiden, in dem die Laterankonzilien stattfanden, und die Privatgemächer der Päpste lagen zwischen dem Triclinium und der Stadtmauer. Von jenem Speisesaal hat sich draußen ein Fragment erhalten, das sogenannte leoninische Triclinium. Der Liber pontificalis beschreibt ihn von auffallender Weite, mit einer mosaikgeschmückten Apsis und zehn weiteren rechts und links, auf denen die Apostel gemalt waren, den Liegen, auf denen man zum Essen ruhte, und, in der Mitte eines Bodens aus kostbaren Marmorarten, einem großen Brunnen aus rotem Porphyr in Form einer Muschel.

Der Besuch

Auch der Platz hat seine Stücke verloren. Wo heute der Obelisk steht, standen der Palast und das Türmchen der Annibaldeschi, und zwischen ihnen und der Basilika stand das bronzene Reiterstandbild, das man damals für Konstantin hielt: es ist Mark Aurel, und Paul III. ließ es auf das Kapitol bringen, wo es heute steht. Jener caballus Constantini war zugleich ein Denkmal der Macht und der Ort der Hinrichtungen, so sehr, dass Papst Johannes XIII. einen aufsässigen Stadtpräfekten an den Haaren daran aufhängen ließ.

Tipp der Redaktion

Um diesen Ort zu verstehen, muss man wissen, dass er einen Wettstreit verloren hat. Jahrhundertelang stritten der Klerus des Laterans und der des Vatikans um den Vorrang: beide behaupteten, dieselben Reliquien zu besitzen und die ersten zu sein, und von vatikanischer Seite nannte man die Lateranenser «ungläubige Juden». Der Lateran sammelte eine außerordentliche Zahl von Reliquien an, bis hin zur Bundeslade und den Gesetzestafeln. Doch das Grab des Petrus lag auf der anderen Seite des Flusses, und das Jubeljahr 1300 entschied die Sache; 1377 nahmen die Päpste, nach Avignon und zwei Bränden, ihren Wohnsitz im Vatikan. Wer auf diesem Platz stehen bleibt, steht in der Hauptstadt, die verloren hat.

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