⛪ Kirchen und Heiligtümer

basilica di San Giovanni in Laterano

📍 Roma, Latium · 87/100

Roms Kathedrale ist nicht der Petersdom, sondern San Giovanni in Laterano: Mutterkirche der Diözese, erste der vier großen Papstbasiliken und die älteste Basilika des Abendlands. Schon ihr Ehrentitel — Omnium Urbis et Orbis Ecclesiarum Mater et Caput, Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises — sagt alles über ihren Rang.

Sie entstand unmittelbar nach der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312: Konstantin löste die equites singulares auf, jene Reitertruppe, die für Maxentius gekämpft hatte, und schenkte dem römischen Bischof Miltiades die Ländereien der Laterani samt der Domus Faustae genannten Residenz. Über der abgerissenen Kaserne, den Castra Nova, erhob sich die Basilika, die Papst Silvester I. im Jahr 324 dem Allerheiligsten Erlöser weihte und die man ihres Glanzes wegen Basilica Aurea nannte; die beiden Johannes, der Täufer und der Evangelist, kamen erst in den folgenden Jahrhunderten zum Patrozinium hinzu.

Sehenswertes

Von der konstantinischen Basilika mit ihren fünf Schiffen ist wenig sichtbar geblieben: die Plünderungen durch die Westgoten (410) und die Vandalen (455), das Erdbeben von 896 und zwei Brände im 14. Jahrhundert (1308 und 1362), während die Päpste in Avignon weilten, erzwangen radikale Neubauten. Das heutige Erscheinungsbild geht großenteils auf die Bauarbeiten des späten 16. Jahrhunderts unter Sixtus V. zurück, geleitet vom Architekten Domenico Fontana, und auf die 1735 unter Clemens XII. vollendete Fassade mit ihrer großen Weiheinschrift. Im Inneren steht die Kathedra des Bischofs von Rom; an der Wand zwischen den Portalen verkündet eine Tafel den Titel Mutter und Haupt aller Kirchen. Vor dem Lateranpalast ragt der größte noch stehende altägyptische Obelisk der Welt auf.

Der Besuch

Basilika und umliegender Komplex — Papstpalast, Priesterseminar, Lateranuniversität — genießen Exterritorialität: Sie stehen zwar auf italienischem Boden, unterliegen aber der vollen Gerichtsbarkeit des Heiligen Stuhls, so wie es die Lateranverträge von 1929 festgelegt haben. Hier residierten die Päpste ein Jahrtausend lang, von Miltiades bis zur Übersiedlung nach Avignon 1309, und hier empfing der Überlieferung nach Karl der Große zu Ostern 774 die Taufe.

Tipp der Redaktion

Nimm dir Zeit für die Inschriften der Fassade und für die Tafel zwischen den Portalen: Diese Steine sprechen von Macht ebenso wie von Glauben. Zwei Geschichten zum Mitnehmen: Seit Heinrich IV. ist das französische Staatsoberhaupt von Rechts wegen „erster und einziger Ehrenkanoniker“ der Basilika, ein Titel, der heute dem Präsidenten der Republik zusteht; und in diesen Schiffen fand der makaberste Prozess der Kirchengeschichte statt, die Leichensynode, als Stephan VI. den Leichnam seines im Jahr 896 gestorbenen Vorgängers Formosus ausgraben und in päpstlichem Ornat vor Gericht stellen ließ.

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