Zwischen 212 und 216 n. Chr. errichtet — die Ziegelstempel belegen es — auf dem Kleinen Aventin, neben dem ersten Stück der Via Appia, waren die von Kaiser Caracalla gewollten Thermen die gewaltigsten, die das Römische Reich je gesehen hatte, bis fast ein Jahrhundert später die Diokletiansthermen entstanden. Im 5. Jahrhundert zählte Polemius Silvius sie zu den sieben Wundern Roms.
Der Bezirk misst 337 mal 328 Meter, der Mittelbau 114 mal 220: 1.600 Menschen konnten gleichzeitig baden, geschätzte 6.000 bis 8.000 am Tag, gewärmt von den Hypokausten und versorgt von der aqua Antoniniana, dem eigens 212 angelegten Zweig der Acqua Marcia. Alles endete 537, als die Goten des Witigis während der Belagerung Roms die Wasserleitungen kappten.
Sehenswertes
Die Ruinen bewahren einen großen Teil der Anlage, frei von modernen Bauten: die natatio, das große Becken, einst von vier monolithischen Granitsäulen gerahmt (die einzige erhaltene steht seit 1563 auf der Piazza Santa Trinita in Florenz, ein Geschenk von Papst Pius IV. an Cosimo I. de' Medici); das nach Süden vorgeschobene Caldarium, das durch die großen Fenster die Sonne einfing; die beiden symmetrischen Palästren mit ihren Mosaiken. Aus diesen Grabungen kamen der Farnesische Stier und der Farnesische Herkules, unter Paul III. zwischen 1545 und 1547 gefunden und heute im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel. Im Untergrund verbirgt sich das größte bekannte Mithräum Roms, 1938 entdeckt.
Der Besuch
Seit 2024 ist nach achtzehnhundert Jahren das Wasser in die Thermen zurückgekehrt: Ein Wasserspiegel am Eingang des Denkmals wirft das Mauerwerk zurück. Und seit 1937 beherbergt der Mittelteil der Anlage im Sommer die Freiluftsaison der Oper von Rom; 1960 dienten die Thermen sogar als Arena für die Turnwettbewerbe der Olympischen Spiele.
Tipp der Redaktion
Komm am späten Nachmittag, wenn die tiefstehende Sonne das Rot der Ziegel aufleuchten lässt und den Gewölben ihre Tiefe zurückgibt. Und wenn du im Sommer in Rom bist: Ein Opernabend zwischen den Ruinen — das Parkett wurde auf 3.500 Plätze verkleinert, um das Grabungsgelände zu schützen — ist der direkteste Weg, die Thermen bei dem zu sehen, wofür sie entstanden: eine römische Menge aufzunehmen.
