Im obersten Stock liegt ein Raum, der wie eine Werkstatt aussieht: Ziehsteine, ein Walzwerk mit flachen Rollen, Pinzetten und von Hand geformte Hölzchen. Viele dieser Geräte haben sich die Filigranarbeiter von Campo Ligure selbst gebaut, und sie sind der seltenste Teil des Museums, Industriearchäologie eines Handwerks, das im Ort noch ausgeübt wird. Der Rest begann 1984, als die Gemeinde und der Commendatore Pietro Carlo Bosio der Allgemeinheit die Schmuckstücke übergaben, die Bosio in einem Forscherleben rund um die Welt zusammengetragen hatte.
Sehenswertes
Die Sammlung, zum großen Teil aus privaten Schenkungen entstanden, ist nach Herkunftsgebieten geordnet und nicht nach Epochen; die Wahl zahlt sich aus, denn so lassen sich die verschiedenen Schulen der Verarbeitung nebeneinander erkennen. Der Rundgang reiht Stücke aus vier Erdteilen auf: Europa mit Italien und der Iberischen Halbinsel, Asien von China über den Nahen Osten bis Indien, Lateinamerika und Afrika.
Den größten Raum nimmt die italienische Filigranarbeit ein, mit den Städten, die sie geprägt haben: Genua, Venedig, Cortina d'Ampezzo, Florenz, Rom und Trapani. Das oberste Geschoss gehört dagegen der örtlichen Produktion und der Werkzeugkammer, einem Museum im Museum, in dem allein die alten Maschinen den Eintritt wert sind. Heute gilt der Bestand als wichtigstes europäisches Dokumentationszentrum zur Filigranarbeit.
Der Besuch
Das Museum liegt in der Via della Giustizia, in der Altstadt von Campo Ligure im Valle Stura. Eine Medienstation folgt den Arbeitsschritten, und erst sie macht alles Übrige lesbar: das Schmelzen des Metalls zu Stäben, das Ziehen bis auf einen Querschnitt von 2 mm durch Löcher, die mit Industriediamanten ausgekleidet sind, das Verdrillen zweier Silberdrähte zum sogenannten filo granato, das Walzen, das ihn flach drückt und ihm sein gezähntes Aussehen gibt.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie zuerst nach oben in die Werkzeugkammer und danach hinunter zu den Schmuckstücken; umgekehrt wirkt es weniger. Achten Sie auf die Handwerksbegriffe, sie sind für sich genommen das halbe Museum: die bruscelle, jene Pinzetten, mit denen die winzigen Röllchen gesetzt werden, die Keramikfliese ciapêla, auf der der Draht bearbeitet wird, die legnetti, mit denen das Gerüst geformt wird. Danach betrachtet man ein Stück in der Vitrine nicht mehr wie zuvor.
