Acht Bomben trafen die Villa Bianchi am 4. Juni 1944. Das Haus stammt aus dem 19. Jahrhundert und trägt den Namen der Familie, die es bauen ließ: die Bianchi, wohlhabende Grundbesitzer aus Cogoleto. Es steht im Ortsteil Isorella, an der Küste östlich des Orts, kurz vor der Villa Durazzo. Die Stelle selbst ist älter als das Gebäude. Die örtliche Forschung setzt genau hierhin das Kloster San Pietro, von dem keine sichtbare Spur geblieben ist: Erwähnt wird es in einer Pergamenturkunde von 1356, die so beschädigt ist, dass sie kaum noch zu lesen ist.
Sehenswertes
Zu sehen sind die Fassade des 19. Jahrhunderts und die Lage, die auch der Grund für den Bau an dieser Stelle war: ein Küstenstreifen östlich des Orts, außerhalb der Altstadt, direkt zum Wasser hin. Den Rest erklärt das Datum 4. Juni 1944. Cogoleto war schon am 30. Oktober 1943 von einem amerikanischen Bombenangriff getroffen worden, bei dem fünfzehn Menschen zwischen vier und zweiundsiebzig Jahren starben; im Jahr darauf traf es diesen Küstenabschnitt, und die Villa bekam acht Bomben auf einmal ab.
Der zweite Grund für den Weg hierher ist die Umgebung. Weiter östlich, im Gebiet lo Scoglio, steht die Villa Durazzo, die die gleichnamige Familie im 17. Jahrhundert errichten ließ; der Name geht auf einen Felsen aus ophiolithischer Brekzie auf kristallinem Schiefer zurück, den der Geologe Arturo Issel beschrieb und der am Ende dem ganzen östlichen Küstenabschnitt den Namen gab. Vor der Villa Bianchi wiederum liegt eine Untiefe mit viel Fisch, San Pietro genannt: der letzte Halt, den das verschwundene Kloster auf der Karte noch hat.
Der Besuch
Die Villa Bianchi ist kein Museum: Öffnungszeiten oder Führungen sind nicht bekannt, man sieht sie von außen. Lohnend ist vor allem der Weg dorthin. Die Altstadt von Cogoleto besteht im Kern aus einer einzigen Straße, der via Rati und der via Cristoforo Colombo, mit Gassen und kleinen Plätzen zum Meer hin: Sie heißen scali, und die Seeleute ließen hier ihre Boote zu Wasser und zogen sie wieder an Land. Über die piazza dei Bianchi kommt man zur Casa Nazionale, dem alten Sitz der Obrigkeit, mit der Gedenktafel für die Kanonenkugel der englischen Marine vom 11. April 1800, aus der Schlacht von Cogoleto; von dort geht es weiter nach Osten bis Isorella. Cogoleto liegt an der Riviera di Ponente, rund 25 Kilometer westlich von Genua.
Tipp der Redaktion
Wir lassen das Auto im Zentrum und gehen das letzte Stück zu Fuß nach Osten: Die Gassen und die scali der Altstadt bereiten die Ankunft besser vor als die Küstenstraße. Auf Höhe der Villa raten wir, dem Gebäude den Rücken zu kehren und aufs Meer zu schauen: Dort draußen liegt die Untiefe San Pietro, bei den Fischern des Orts gut bekannt, die einzige Spur des mittelalterlichen Klosters. Ein paar Minuten weiter erreicht man lo Scoglio und die Villa Durazzo und schließt die Runde.
