Das italienische Wort lavagna, also Schiefertafel, stammt von hier: vom schwarzen Schiefer, der in den Tälern hinter der Stadt gebrochen, in dünne Platten gespalten und zum Schreiben benutzt wurde. Auch deshalb beherbergt der Torre del Borgo, ein Wehrbau des 16. Jahrhunderts im Altstadtkern, heute die Galleria artistica dell'ardesia: Der Stein, der einem Alltagsgegenstand seinen Namen gab, wird in dem Turm gezeigt, der einst über den Ort wachte.
Sehenswertes
Der Turm selbst ist das älteste Stück des Rundgangs. Manche Quellen schreiben ihn den Fieschi zu, die ihn im 16. Jahrhundert als Wach- und Wehrturm errichtet haben sollen: jener Familie, die von Lavagna aus die östliche Riviera beherrschte und der Kirche zwei Päpste gab, Innozenz IV. und Hadrian V. Nach dem Ende der militärischen Aufgabe blieb das Gebäude jahrhundertelang im Dienst des Ortes und wurde schließlich sogar Wohnhaus, mit einer eingerichteten Hauskapelle.
Heute zeigen die Räume die Collezione Alloiso und die Schiefergalerie: neben Arbeiten aus dem heimischen Stein, jenem Material, das in Ligurien Dächer deckte, Böden pflasterte und Tischplatten lieferte, gibt es Keramik und archäologische Funde aus dem gesamten Tigullio. Unterhalb des Turms liegt ein Garten nach genuesischer Art, in dem Ausstellungen und Konzerte stattfinden: der Teil, der den Ort in Gebrauch hält statt hinter Glas.
Der Besuch
Man befindet sich in der mittelalterlichen Zitadelle, wenige Schritte von der Basilika Santo Stefano und von der Porta di Ponente entfernt, dem einzigen erhaltenen alten Stadttor, nahe der Wallfahrtskirche Nostra Signora del Carmine. Die Öffnungszeiten des Turms richten sich eher nach dem Ausstellungskalender als nach festen Zeiten; es lohnt sich, vorher bei der Gemeinde nachzufragen. Zur selben Runde gehört der Ponte della Maddalena, 1210 im Auftrag von Ugo Fieschi mit dreizehn Bögen in Stein neu errichtet, der Lavagna mit Chiavari verbindet.
Tipp der Redaktion
Unser Rat: den Schiefer zweimal ansehen. Zuerst in den Vitrinen der Galerie, bearbeitet und poliert; dann draußen, auf den Schwellen, den Türgewänden und den Dächern der Altstadt, wo derselbe Stein noch immer die Arbeit tut, für die er gebrochen wurde. Und wer sich das Datum aussuchen kann, kommt Mitte August, wenn die Torta dei Fieschi, seit 1949 im Programm, die sechs mittelalterlichen Viertel wieder in einen Umzug schickt und eine riesige Torte an alle verteilt, die die passende Hälfte ihres Loses finden.
