⛪ Kirchen und Heiligtümer

Convento di San Domenico a Taggia

📍 Taggia, Ligurien · 48/100

Im Gesicht der heiligen Katharina, auf einer Kreuzigung von Emanuele Macario da Pigna, sind bis heute die Hiebe zu sehen, die Korsaren beim Überfall von 1564 zufügten: Niemand hat sie je geglättet. Dieses Detail sagt mehr über das Kloster San Domenico als jede Beschreibung. Gegründet wurde es 1459 vom Dominikaner Cristoforo da Milano, errichtet zwischen 1460 und 1490 von den comacinischen Meistern Gasperino da Lancia und Filippo da Carlono. Heute birgt es eine der größten Sammlungen ligurischer und nizzardischer Malerei.

Sehenswertes

Im Mittelpunkt steht Ludovico Brea mit fünf Werken. Auf dem Hochaltar hängt das Polyptychon der Madonna der Barmherzigkeit, zwischen 1483 und 1488 gemeinsam mit dem Bruder Antonio gemalt: Die Jungfrau öffnet, weit überhöht dargestellt, ihren Mantel über den knienden Gläubigen, unter denen Papst und Kaiser zu erkennen sind. Es folgen das 1488 von den Dominikanerterziarinnen bestellte Polyptychon der heiligen Katharina von Siena zwischen Agatha und Lucia, die Taufe Christi von 1495 und zuletzt die Rosenkranzmadonna von 1513, bei der eine offene Landschaft den Goldgrund ablöst.

Daneben hängt das Polyptychon von Giovanni Canavesio mit dem heiligen Dominikus und den vier Kirchenvätern: Der Heilige trägt die Züge des seligen Cristoforo, die Wappen der Stifterfamilien wurden zur Zeit der Ligurischen Republik abgeschlagen. Die Kirche Santa Maria Misericordiarum besitzt zwölf Altäre, eine Parmigianino zugeschriebene Anbetung der Könige und eine Rosenkranzmadonna aus Carrara-Marmor von Giacomo Antonio Ponsonelli. Der Kreuzgang zeigt fünf Arkaden je Seite, Kreuzgewölbe und Lünetten mit den 1613 gemalten Geschichten des heiligen Dominikus.

Der Besuch

Das Kloster liegt an der Piazza Beato Cristoforo am Rand der Altstadt von Taggia. Vom Kreuzgang gelangt man in die Kirche, die Sakristei, den Kapitelsaal und die heutige Museumskapelle; im Nordflügel liegt das Refektorium mit der um 1482 von Canavesio gemalten Kreuzigung, auf der Dominikus erneut das Gesicht des Gründers trägt. Es handelt sich um eine aktive Ordensgemeinschaft: Die Öffnungszeiten sind knapp, man erkundigt sich besser vorher und meldet sich am besten an.

Tipp der Redaktion

Wir nehmen uns vor dem Hochaltarbild viel mehr Zeit als nötig erscheint und betrachten es von unten, wie es die Betenden sahen: Die oberen Register mit Thomas von Aquin, Katharina von Siena und Vinzenz Ferrer gelten als Arbeit des Bruders Antonio und zeigen eine andere, trockenere Hand. Danach kehren wir zur Kreuzigung Macarios zurück: Diese Schnitte im Gesicht sind das einzige sichtbare Zeugnis eines Tages im 16. Jahrhundert, den Taggia nie vergessen hat.

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