Der Clavesana-Turm auf der Kuppe ist gekappt, und der glatte Schnitt ist das, was von der Zerstörung durch die Genuesen nach 1228 übrig blieb, dem Jahr, in dem Taggia in die Herrschaft der Republik überging. Die Burg liegt auf einem Hügel westlich des Ortes, eingefasst vom Rio Santa Lucia im Süden und vom Rio Barbarasa im Norden, eine Kontrollposition, die höchstwahrscheinlich schon in römischer Zeit oder früher genutzt wurde. Grabungen förderten vor allem Keramikscherben zutage, von vorrömisch bis mittelalterlich, heute im Depot des Archäologischen Museums von Sanremo. Die Anlage, die man begeht, geht allerdings auf das 11. Jahrhundert zurück, als die Herren von Clavesana, Lehnsherren des Ortes, hier ihre Burg errichteten.
Sehenswertes
Das meiste von dem, was heute steht, stammt aus den Erweiterungen, die die Republik Genua und die Gemeinde im 16. und 17. Jahrhundert an der bereits verfallenen ersten Burg vornahmen. In vollständiger Form hatte die Anlage acht Tore und acht Bastionen, umgeben von Mauern, die im 16. Jahrhundert auch das Kloster San Domenico einschlossen. Von diesem System sind zwei Bastionen ablesbar geblieben, die Orso- und die Ciazzo-Bastion, dazu der gekappte Clavesana-Turm auf der Kuppe.
Wie viel verloren ging, zeigen zwei Bilder: das Gemälde im Rathaus und die Karte des Kartografen Matteo Vinzoni, beide mit der Festung im Ganzen, so wie sie bis ins 18. Jahrhundert bestand. Dann wird die Geschichte nüchtern: In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden innerhalb der Mauern die Becken der städtischen Wasserleitung eingerichtet, und das Gelände verwahrloste. Die jüngere Sanierung hat das gedreht, und 2016 entstand zwischen den Ruinen ein Theater für Aufführungen und kulturelle Veranstaltungen.
Der Besuch
Man steigt zu Fuß vom Altstadtkern von Taggia in der Provinz Imperia hinauf: Der Hügel liegt unmittelbar westlich der Häuser, der Anstieg ist kurz, aber durchgehend. Das Gelände ist offen und Ruine, also zählt das Schuhwerk mehr als die Öffnungszeit; die Steine sind unregelmäßig und bei Regen rutschig. Es lohnt sich, bis zur Kuppe neben dem Turm zu gehen: Von dort liest man auf einen Blick den Zuschnitt des Ortes, der sich seit dem Mittelalter nach Osten und Süden ausgedehnt hat, weg von der Burg und hin zur Talsohle.
Tipp der Redaktion
Wenn der Spielplan es hergibt, empfehlen wir, den Aufstieg mit einem Abend im Theater zwischen den Ruinen zu verbinden: neben den Bastionen zu sitzen, während die Sonne über dem Rio Barbarasa sinkt, ergibt ein Bild der Burg, das kein Tagesbesuch liefert. Sonst am frühen Morgen: Das Licht von Osten trifft den Clavesana-Turm voll und macht die Stelle, an der er abgebrochen wurde, unübersehbar.
