In der Altstadt von Taggia stammen die Adelspaläste fast alle aus dem 15. und 16. Jahrhundert: Curlo von 1448, Vivaldi von 1458, die Häuser der Asdente um 1473, Anfossi von 1578. Der Palazzo Lercari kommt viel später, im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts, und nicht auf freiem Grund: Er entstand durch Aufstockung vorhandener Gebäude, also durch zusätzliche Geschosse auf einem längst dichten Gefüge, die übliche Antwort in einer Mauerstadt, in der Platz nur nach oben zu gewinnen ist. Der Name gehört den Lercari, einem genuesischen Geschlecht, das der Republik zwei Dogen stellte, beide mit Namen Giovanni Battista, im Amt ab 1563 und ab 1642, und das auch in Taggia Wurzeln schlug.
Sehenswertes
Der Palast spielt seine Karten im Inneren aus: Die Räume sind spätbarock, während die Front der Gasse folgt wie die Nachbarhäuser und auf Wirkung verzichtet. Das ist die Logik eines Familienpalastes in einer engen Stadt, wo der Reichtum hinter dem Portal gezeigt wurde und nicht auf der Straße.
Heute dient das Haus der Allgemeinheit: Es beherbergt das historische Archiv von Taggia und die Stadtbibliothek. Deshalb kommt man überhaupt hinein, denn die Akten der Gemeinde und die Bücher halten Säle offen, die sonst privat blieben.
Der Besuch
Die Altstadt von Taggia liegt im unmittelbaren Hinterland des Argentina-Tals, rund drei Kilometer vom Meer und vom Badeort Arma entfernt; zu Fuß erreicht man sie von der mittelalterlichen Brücke über den Wildbach, 270 Meter lang und mit fünfzehn Bögen, zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert nach und nach erweitert. Von dort steigt man durch die Gassen, wo binnen weniger hundert Meter die übrigen Paläste und die zwei Bruderschaftsoratorien liegen. Der Palazzo Lercari hält die Zeiten der Einrichtungen, die er beherbergt: die von Bibliothek und Archiv, nicht die eines Museums.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie an einem Werktag zu den Öffnungszeiten der Bibliothek hin: Nur so sieht man die spätbarocken Gewölbe, ohne um einen Gefallen bitten zu müssen, und wer im Archiv arbeitet, erzählt mehr über das Haus als jede Tafel. Steigen Sie danach hundert Meter weiter hinauf, zu den Ruinen der Burg über dem Ort: Von dort versteht man auf einen Blick, warum die Lercari für das eigene Haus auf dem eines anderen bauen mussten.
