Im Januar 1873 stürzte Alessandro Manzoni, siebenundachtzigjährig, auf dem Weg zur Messe auf den Stufen dieser Kirche: Er schlug mit dem Kopf auf, erholte sich nicht mehr und starb im Mai. Es ist die letzte der vielen Mailänder Geschichten, die hier vorbeikommen, auf einem Platz, eingeklemmt zwischen Palazzo Marino, der Scala und der Galleria. Der heilige Karl Borromäus wollte die Kirche für die eben in der Stadt angekommenen Jesuiten und ließ sie 1569 von Pellegrino Tibaldi entwerfen, buchstabengetreu nach den Regeln des Konzils von Trient: ein einziges Schiff, damit alle den Altar sähen, eine Seitenkanzel, damit alle die Predigt hörten, keine Säulen in der Mitte. Sie wurde zum Vorbild der Kirchen der Gegenreformation in halb Italien.
Sehenswertes
Der Raum: zwei große Joche mit Segelgewölben, sechs an die Wände gestellte korinthische Säulen und die rosige Farbe des Angera-Steins vom Lago Maggiore, von den Restaurierungen zurückgeholt. An den Wänden entlang die acht zwischen 1596 und 1603 von den Taurini geschnitzten Beichtstühle, mit den in die Türen geschnittenen biblischen Geschichten: Sie gehören zu den schönsten Möbeln Mailands, und niemand schaut sie an.
In den Kapellen die Vision des heiligen Ignatius von Cerano; die Kreuzabnahme des Simone Peterzano von 1591, mit jenem harten Licht, das sein Schüler Michelangelo Merisi nach Rom mitnahm; und das keramische Herz Jesu von Lucio Fontana, von 1956, dort aufgestellt, wo ein Altarbild des sechzehnten Jahrhunderts stand: Die Jesuiten haben immer zeitgenössische Kunst in Auftrag gegeben und tun es weiter, so sehr, dass im Haus nebenan ein Museum mit dem Gesammelten ist. Viele der Leinwände stammen aus der Kirche Santa Maria della Scala, 1776 für den Bau des Theaters abgerissen: Als die Scala entstand, zogen ihre Bilder hierher.
Der Besuch
Die Kirche liegt an der Piazza San Fedele, zwischen Dom und Scala, zwei Minuten von beiden, Metro Duomo oder Cordusio; Eintritt frei mit langen Zeiten. Eine Viertelstunde. Im Jesuitenhaus nebenan ist das Museo San Fedele mit zeitgenössischer Kunst zu sakralen Themen, mit eigenem Ticket und eigenen Zeiten. Auf dem Platz das Manzoni-Denkmal.
Tipp der Redaktion
Betrachten Sie die Beichtstühle einen nach dem anderen, an den Wänden entlang: Jede Tür hat eine geschnitzte Szene, und in einer Reihe erzählen sie dem, der auf seine Beichte wartete, das Alte und das Neue Testament. Dann gehen Sie hinaus und schauen die Stufen an: Es sind jene, auf denen Manzoni stürzte, und die Statue, die man ihm davorstellte, schaut in die andere Richtung.
