Etwa in der Mitte der Arena, nach Osten versetzt, öffnet sich eine rechteckige, fast fünf Meter tiefe Grube im Tuffstein. Auf ihrem Boden fanden sich Steinblöcke mit einem Haken in der Mitte: Gegengewichte eines Aufzugs, der die Käfige der Tiere auf das Niveau der Arena hob. Kein anderes Detail erklärt so klar, wozu das römische Amphitheater von Larino diente.
Sehenswertes
Errichtet wurde es in den letzten zwei Jahrzehnten des 1. Jahrhunderts, auf testamentarische Verfügung eines L. Capitone aus dem Senatorenstand: So sagt es eine bruchstückhafte Inschrift, die einst über dem Westtor saß. Die Einweihung fiel in die Zeit des Titus, in jene Jahre, in denen nach dem Flavischen Amphitheater viele Honoratioren der Provinzen ähnliche Bauten in ihren Städten finanzierten. Das von Larino ist mittelgroß, mit einer Hauptachse von fast 98 Metern und einer Nebenachse von 80, doch bei mehr als sechstausend Quadratmetern Fläche fasste es fast elftausend Zuschauer: vergleichbar mit Luceria oder Alba Fucens, weit entfernt von Capua.
Die Bauweise ist gemischt, und man sieht es sofort. Arena und unterste Sitzreihen wurden direkt in den Sandstein des Hangs geschnitten, die oberen Ränge dagegen aufgemauert, als Gussmauerwerk mit einer Außenschale in opus reticulatum. Der Boden der Arena ist leicht gewölbt, damit das Wasser in den Euripus ablief, den Kanal, der rings um sie verläuft. Die zwei Meter hohe Podiumsmauer war mit Kalksteinplatten verkleidet, deren abgerundete Oberkante als Brüstung diente und die Löcher für das Schutznetz trug; dahinter öffnen sich vier kleine Räume, die spoliaria, in denen verletzte Gladiatoren versorgt und die Getöteten niedergelegt wurden.
Der Besuch
Die antiken Autoren erwähnen den Bau nirgends, und jahrhundertelang drehte sich die Debatte im Kreis: Im 18. Jahrhundert beschrieb Tria ihn bereits seiner Steine beraubt und hielt die Arena für kreisrund. Erst 1851 vermaß Ambrogio Caraba sie als Ellipse, mit Werten, die die Grabungen später bestätigten. Heute liegt das Amphitheater eingeklemmt zwischen Bahnlinie und Staatsstraße, in einem in den letzten Jahrzehnten dicht bebauten Viertel. Man sollte wissen, dass von den Rängen nichts geblieben ist: lesbar sind die Arena, die Podiumsmauer und die vier Tore, zwei breite mit Tonnengewölbe an der Längsachse, zwei schmalere mit Stufen an der Querachse.
