⛪ Kirchen und Heiligtümer

Santuario di Santa Maria del Canneto

📍 Roccavivara, Molise · 42/100

Unter der Brüstung des Ambo öffnen sich sieben kleine Nischen. In der mittleren stand einst ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der als Lesepult diente; die übrigen sechs füllen Benediktinermönche im Hochrelief, jeder bei einer anderen Tätigkeit, ora et labora in Stein übersetzt. Der Ambo trägt die Jahreszahl 1223 und ist das Kostbarste in Santa Maria del Canneto.

Sehenswertes

Die Kirche liegt in der Contrada, die ihr den Namen gab, im Talgrund nahe dem Fluss Trigno, wo früher Schilfröhricht wuchs. Die älteste Urkunde, die sie nennt, stammt aus der Zeit um 706: Herzog Gisulf I. von Benevent schenkte sie den Benediktinern von San Vincenzo al Volturno. 1097 erscheint sie unter den Gütern, die Papst Urban II. dem Abt Oderisio von Montecassino bestätigte; der Wechsel folgte wohl auf die Zerstörung des Volturno-Klosters durch die Sarazenen. Vom ersten Bau ist nichts erhalten, nur wiederverwendete Fragmente des achten und neunten Jahrhunderts, eingemauert in die Turmfassade und den Glockenturm.

Der heutige Bau gehört dem elften und zwölften Jahrhundert an: kreuzförmiger Grundriss, drei Schiffe mit offenem Dachstuhl, jedes von einer halbrunden Apsis geschlossen. Die Säulen sind römisch, aus einem Bau der Umgebung geborgen und mit romanischen Kapitellen versehen; in den Außenmauern stecken römische und mittelalterliche Inschriften. Rechts erhebt sich der Glockenturm, ein zinnenbewehrter gotischer Turm mit Dreibogenfenstern, 1329 von Abt Nicola vollendet. Hinter dem Hochaltar steht die gotische Marienstatue des vierzehnten Jahrhunderts, hier die Jungfrau des Lächelns genannt.

Der Besuch

Die Fassade verspricht wenig: außer dem Relief im Bogenfeld des Portals gibt es kaum Schmuck. Das Innere ist streng und will langsam angesehen werden, denn alles steckt im Detail, die Kapitelle, die Skulpturen am Portal, die sechs Mönche am Ambo. Neben der Kirche haben Grabungen die Reste einer römischen Villa aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. freigelegt: Hier wurde gelebt, lange bevor die Benediktiner kamen.

Tipp der Redaktion

In Roccavivara hält sich ein Brauch, der unmittelbar zu diesem Heiligtum gehört: Die Familien schicken sieben Mädchen und eine alte Frau hinunter nach Canneto, um der Madonna Wünsche und Anliegen vorzutragen. Im Dorf wartet danach ein Gericht auf sie, die Sagn' de la Madonne, hausgemachte Nudeln mit Sugo oder mit Essig und Gewürzen, die anschließend an die anderen verteilt werden. Wer diese Tage trifft, erlebt die Kirche nicht als Denkmal, sondern in ihrer eigentlichen Aufgabe.

Roccavivara entdecken

Die ganze Gemeinde: Guide, Orte, Küche und Veranstaltungen.