An der Südseite der Konkathedrale gibt es eine Tür, die sich nicht mehr öffnen lässt. Es ist das Spitzbogenportal, das Bischof Giovanni 1239 in Auftrag gab — die Inschrift sagt es noch immer — zugemauert samt seiner Fensterrose bei einem der vielen Wiederaufbauten. Vermutlich geschah das nach dem Erdbeben von 1456, das ganz Bojano dem Boden gleichmachte: guter Stein, dachte man wohl, lieber wiederverwenden als verlieren.
Bojano war schon 501 Bischofssitz, die Kirche selbst wird erst 1073 erwähnt, als der normannische Graf Rodolfo di Moulins sie instand setzen ließ. Was folgt, ist eine Liste von Einstürzen und Neuanfängen. Das Sant'Anna-Beben von 1805, ausgelöst im nahen Matese-Massiv, riss das Gewölbe und die Spitze des Glockenturms herunter; die Bombardierungen des letzten Krieges vernichteten die eben erst gemalten Fresken von Romeo Musa. Erhalten blieben die Außenmauern, der Turm und die Fassade. Rasch wieder aufgebaut, wurde die Kirche 1948 neu geweiht.
Sehenswertes
Das Innere hat drei Schiffe, 57 Meter lang und 17 breit, unter einem Tonnengewölbe mit Stichkappen. Im linken Seitenschiff ragt eine Säule mit mittelalterlichem Kapitell aus der Mauer, eine Vitrine zeigt Keramik, liturgisches Gerät und einen Bischofsring, die unter dem Fußboden gefunden wurden. Das Taufbecken stammt aus dem 13. Jahrhundert und trägt einen Ochsen mit fast menschlichem Gesicht sowie einen Männerkopf. Neben dem Hochaltar erzählen Gemälde von Massimo Raffaele Giosia die Predigt des heiligen Bartholomäus in Indien; darüber ist der Freskenzyklus von Rodolfo Papa ganz jung, 2011 von Kardinal Angelo Bagnasco eingeweiht.
Der jüngste Fund liegt unter dem Hochaltar: die Krypta aus dem 11. Jahrhundert, bei Arbeiten im Jahr 1996 wiederentdeckt und durch einen halbrunden Glasboden auch von oben zu sehen. Sieben Stufen führen hinab, eine für jede der Todsünden, vorbei an Bildern, die einem Taufgedanken folgen — die Sintflut, der Durchzug durch das Rote Meer, die Begegnung am Jakobsbrunnen, die Taufe im Jordan — und an Steinen, die die Künstlerin Fiorata Spina mit Worten aus dem Petrusbrief beschriftet hat. Unter der Krypta fließt eine Quelle lebendigen Wassers; keine andere Kirche soll so etwas haben.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie vor dem Eintreten einmal um den Giardino dei Pentri auf der Nordseite. Dort stehen dreizehn mittelalterliche Tomoli, in Stein gehauene Hohlmaße, mit denen Getreide und Hülsenfrüchte abgemessen wurden, dazu ein langobardisches Kapitell unter der Madonnennische und eine römische Inschrift neben dem Portal, die daran erinnert, dass Bovianum römisches Munizipium war. Der Sockel des Glockenturms ruht auf gewaltigen Quadern, die manche einem älteren samnitischen Bau zuschreiben: Die älteste Geschichte Bojanos liegt eher draußen als drinnen.
