Die Fassade der Annunziata besteht vollständig aus Spolien des nahen römischen Theaters. Zwischen den Steinen erkennt man eine Inschrift mit einer Amphore in einer Girlande aus Trauben und Weinblättern, und am Fuß der Seitenwand in der Via De Utris ragen Sockel einer Presse hervor. Die Kirche steht im oberen Teil von Venafro, am Largo Annunziata zu Füßen des Castello Pandone, und besitzt den höchsten Glockenturm der Stadt. 1386 unterzeichneten die Mitglieder der Geißlerbruderschaft die Gründungsurkunde der Bruderschaft der Annunziata; unter den Brüdern heißt die Kirche la Lenziana.
Sehenswertes
Das Äußere ist eine Summe von Überlagerungen. Rippen und Mauerspuren verraten die Achse der alten Fassade, die gegenüber dem heutigen Portal verschoben liegt: Noch lesbar sind die Linien des ursprünglichen Spitzbogenportals und des Rundfensters darüber. Einige Stücke jenes Portals wurden in das neue eingesetzt, einen gestuften Rundbogen mit mittlerer Lünette und der Statue des heiligen Nazarius unter einem geflügelten Gesims. Darüber öffnet sich ein barockes Großfenster und ganz oben ein griechisches Kreuzfenster mit konkaven Seiten, das eine Art Vierpass bildet. Der Glockenturm ist barock, ruht aber auf dem steinernen Untergeschoss des gotischen Turms, in dem zugemauerte Spitzbogenfenster erhalten sind; die Zwiebelhaube geht auf neapolitanische Handwerker zurück.
Der Besuch
Innen liegt ein einziges Schiff unter einem großen Gewölbe aus verputztem Rohrgeflecht, in dessen Mitte die Madonna in der Glorie zwischen Heiligen und Aposteln erscheint. Je drei Kapellen pro Seite nehmen die Nebenaltäre auf, im Wechsel mit den tragenden Pfeilern. Der Hochaltar steigt über drei Stufen aus buntem Marmor an; das Altarbild ist die Verkündigung von Giacinto Diano. Die Kuppel wurde 1618 auf Betreiben des Priors Francesco Coppa begonnen und ruht auf vier Pendentifs mit den Allegorien der vier Tugenden, während die Laterne das Presbyterium direkt belichtet. An der Innenfassade steht die hölzerne Orgel von 1784, geschnitzt und bemalt von Nicola Abbate aus Airola, seit der Restaurierung von 2003 wieder in Gebrauch.
Tipp der Redaktion
In einer Seitenkapelle wird hinter einem Gitter die Reliquienbüste des heiligen Nikander mit dem vergoldeten Haupt aufbewahrt. Von hier gehen die Prozessionen am 16. und 18. Juni aus und hierher kehren sie zurück: Wer an diesen Tagen in Venafro ist, sieht die Kirche in ihrem eigentlichen Gebrauch und nicht als Denkmal.
