1958 bearbeitete ein Grundbesitzer sein Feld im Umland von Venafro, als er auf einen „Stein“ stieß, der viel zu groß war: Es war eine Venus antoninischer Zeit, Kopie eines der berühmtesten Bildwerke der Antike, der Venus Landolina. Seither nennt sie jeder Venus von Venafro; sie steht im Erdgeschoss des ehemaligen Klosters Santa Chiara, dem Sitz des Nationalen Archäologischen Museums. Wahrscheinlich gehörte sie zu einem Brunnen in einem wohlhabenden Wohnbau augusteischer Zeit.
Sehenswertes
Die samnitische Abteilung dreht sich um die Nekropole in der Flur von Pozzilli, die zu einer Siedlung gehörte und vom 6. bis in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. genutzt wurde. Die Beigaben sind schlicht, Lanzen, Wurfspieße, Fibeln und ein einziges Schwert, doch die Menge importierter Keramik erzählt anderes: schwarzer Bucchero aus Capua, roter Bucchero aus dem Gebiet zwischen Nordkampanien und dem südlichen Latium, ein Zeichen regen Handels. Grab Nummer 55 wurde vollständig rekonstruiert; das darin gehäufte Geschirr zeigt, wie viel der Verstorbene galt. Später folgen schwarz gefirnisste Ware und einheitlichere Sätze, mitunter regelrechte Trinkservice nach griechischer Art.
Aus römischer Zeit stammen Marmorstücke aus öffentlichen Bauten und Privathäusern, Architekturfriese und Statuen aus dem Theater. Aus den kaiserzeitlichen Gräberfeldern kamen Grabinschriften und vor allem eine Menge schmuckloser Steine mit nichts als dem Namen des Toten, die entlang der Straßen vor der Stadt in den Boden gesetzt wurden. Suchen sollte man den Grabstein der Tilla Eutychia, der einzigen namentlich bekannten Priesterin Venafros, und das riesige Gesicht einer Gorgo.
Der Besuch
Der Aquädukt-Saal ist das Herzstück des Hauses. Hier liegt die sogenannte Tavola Acquaria, der große Stein mit dem Edikt des Augustus, verfasst zwischen 17 und 11 v. Chr., in denselben Jahren, in denen die Leitung gebaut wurde, die das Wasser der Volturno-Quellen über mehr als dreißig Kilometer in die Stadt brachte. Das Edikt regelte den Bau, die Verteilung des Wassers und die bei Streit zuständigen Beamten. Ringsum stehen die Steine, die neben der Leitung gesetzt waren und den freien Durchgang vorschrieben. Im zweiten Obergeschoss, in einem eigenen Raum, steht der Alabasteraltar aus der Kapelle der Annunziata-Kirche: eines der wenigen englischen Polyptychen, die in Italien unversehrt geblieben sind.
Tipp der Redaktion
Eröffnet wurde das Museum im Juni 1931 mit Material, das zufällig auf einer Baustelle am Hang des Monte Santa Croce zutage gekommen war: Kapitelle, Gesimse und zwei große männliche Statuen julisch-claudischer Zeit, damals als Augustus und Tiberius gedeutet, die nach der Sitte der Zeit nach Neapel gingen und erst zur Eröffnung zurückkehrten. Dann schloss der Krieg alles, und die Klosterräume nahmen Vertriebene und Schulklassen auf. Das lohnt sich zu merken: Fast jedes Stück kam durch Zufall hierher und blieb durch Hartnäckigkeit.
