Die Burg der Lercaro ist keine Kriegsburg: Um 1570 ließ der genuesische Patrizier Francesco Lercaro sie als Landsitz auf einem seiner Güter bei Ovada errichten, an einer Stelle, an der bereits Befestigungen und ein Wachturm aus dem vierzehnten Jahrhundert standen, der zur Erhebung der Zölle an der Grenze zwischen der Republik Genua und dem Herzogtum Mailand diente.
Sehenswertes
Von außen ein wuchtiger Quader nach dem Schema der genuesischen Adelspaläste, auf einem Hügel über dem rechten Ufer der Orba. Kennzeichen ist der quadratische Eckturm mit vorkragendem Wehrgang; der ältere Turm, der wohl auch eine Furt des Baches überwachte, wurde in den Bau einbezogen und ist von außen nicht mehr als eigenes Element zu erkennen. An den Ecken des Palasts stehen kleinere Türme, während die Freitreppe des neunzehnten Jahrhunderts, die verputzten Fronten mit Ansätzen von Dekor und der große Mittelsaal zum Vokabular der Villa gehören, nicht zu dem der Festung.
Der Besuch
Eines gleich vorweg: Die Burg ist nicht zu besichtigen. Nach dem Tod des Erbauers ging sie an einen Vetter und dann an die Familie Franzoni, und 1872 schenkte die Marchesa Bettina Franzoni Lercaro Nossardi sie der Gemeinde Ovada mit der Auflage, ein Hospiz für Alte und Kranke daraus zu machen. Jahrzehntelang war sie das, bis die Betriebskosten sie schlossen; 2015 galt das Gebäude als einsturzgefährdet und unbenutzbar, die Fassade stark beschädigt, ein großer Teil des Daches eingestürzt, dazu unter Denkmalschutzauflage. Von den drei Geschossen, dem gewölbten Saal und den rund fünfzig Räumen, darunter die Hauskapelle des Jesuskindes, lässt sich heute nur noch die Ausdehnung erahnen, und das aus der Ferne.
Tipp der Redaktion
Der richtige Blickpunkt ist die Talsohle der Orba: Von dort versteht man, warum der Hügel strategisch war, lange bevor er ein Aussichtspunkt wurde, und warum eine genuesische Familie ihren Landsitz genau an der Grenze wollte, die jahrhundertelang eine Zollstelle war.
