⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Calocero

📍 Caluso, Piemont · 42/100

Die Kirche San Calocero in castro stand auf dem Hügel von Caluso, südlich des Mauerrings der Burg, und ihre Existenz wird bis 1177 zurückdatiert. Heute sind es Ruinen, doch sie genügen, um den romanischen Ursprung zu erkennen: Das sagen der untere Teil des Mauerwerks und die kanonische Ausrichtung nach Osten, wo der Bau weitergeführt haben und mit der Apsis geschlossen haben muss.

Sehenswertes

Ein genauer Blick auf das Mauerwerk lohnt sich, denn in seiner Struktur stecken einige römische lateres, die flachen Ziegel der Kaiserzeit: Wer die Kirche baute, nahm das Material dort, wo es lag, und in Caluso lag das Erbe des römischen Oppidums bereit. Mit etwas Aufmerksamkeit erkennt man an der Südseite im Inneren eine rechteckige Nische, vielleicht für Lampen bestimmt, und an der Nordseite, der zur Burg gewandten, eine später zugesetzte Tür: Ob sie der Haupt- oder ein Nebeneingang war, lässt sich nicht mehr feststellen. Der Rest ist eine dachlose Mauerschale im hohen Gras, mit zwei noch stehenden Eckpfeilern.

Der Besuch

Die Bedeutung dieser Kirche steckt in einem Wort: castrense. Sie war nicht die Dorfpfarrei, sondern die Kirche des Wehrsystems, unter dem Schutz der Burgherren. Und die Burgherren wollten seit dem frühen Mittelalter Kriegerheilige als Patrone: den von den Langobarden mitgebrachten heiligen Michael, dessen Patronat sich durch das ganze Mittelalter im Canavese zieht, in Candia, in Rivarolo, in Brosso, in Strambino. In dieser Logik überrascht es nicht, dass man sich in Caluso für Calocerus entschied, einen Märtyrer des amtlichen Kalenders: Wer den eigenen Glauben tapfer verteidigt hatte, würde dasselbe für seine Verehrer tun.

Tipp der Redaktion

Kommen Sie nicht in Erwartung einer Kirche hierher: Was man sieht, ist eine Ruine, und sie will gelesen werden wie ein Grundriss. Suchen Sie zuerst die Ost-West-Achse, stellen Sie sich dann die Apsis dort vor, wo die Mauern abbrechen, und schon gewinnt die zugesetzte Tür an der Nordseite ihren Sinn: Sie wies zur Burg, also zu denen, die diese Kirche als Erste betraten. Verbinden Sie den Besuch mit dem Castellazzo, der auf demselben Hügel wenige Dutzend Meter höher liegt; und die richtige Jahreszeit ist der Spätsommer, wenn das Gras hoch steht und die roten Ziegel das Einzige sind, was aus dem Grün heraussticht.

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