Das Museo Calderini belegt den zweiten Stock des palazzo dei Musei in Varallo, dazu einige Räume im Erdgeschoss, und teilt sich das Gebäude mit der städtischen Pinakothek. Gegründet hat es 1867 Pietro Calderini, Priester und Naturforscher aus dem Valsesia, geboren am 8. November 1824 in Borgosesia, gestorben am 19. Mai 1906 in Varallo, außerdem einer der ersten Mitglieder und Aktivisten des Italienischen Alpenvereins. Anfangs sollte es nur ein naturkundliches Museum für die technischen Schulen des Ortes sein; dann ließen Schenkungen von Gelehrten aus dem Tal und von auswärts die Sammlungen bis in die Archäologie, die Anthropologie und die Geisteswissenschaften hineinwachsen. Beim Tod des Gründers erhielt das Haus seinen Namen.
Sehenswertes
Die naturkundliche Abteilung hält Zoologie, Botanik, Mykologie, Paläontologie und Erdwissenschaften zusammen, doch am reichsten ist der ornithologische Teil: rund 500 ausgestellte Exemplare. Auch die entomologischen Sammlungen sind kräftig und durch beträchtliche neuere Schenkungen gewachsen. Die Archäologie ruht auf drei Kernen: dem ägyptischen mit etwa hundert Fundstücken, dem griechisch-römischen und dem vorgeschichtlichen, der Erzeugnisse der Golasecca-Kultur aus dem Valsesia versammelt. Die demoethnoanthropologische Abteilung bewahrt einige der außereuropäischen Objekte, die die Dampfkorvette Magenta zwischen 1865 und 1868 auf ihrer Weltumsegelung nach Italien brachte; daneben stehen die materielle Kultur des Tals und eine Münzsammlung.
Der Besuch
Die geisteswissenschaftliche Abteilung überrascht, wer nur ausgestopfte Vögel erwartet hat: Briefe und eigenhändige Texte von Giuseppe Mazzini, Silvio Pellico und Giuseppe Garibaldi, Pergamente und seltene Bücher zu wissenschaftlichen, medizinischen und naturkundlichen Themen, dazu etliche Dokumente zur Geschichte der Walser, der deutschsprachigen Siedler des oberen Tals. Das Museum durchlief eine lange Zeit der Schließung und Neuordnung, in der man nur nach Anmeldung hineinkam, und wurde 2017 wieder für alle geöffnet.
Tipp der Redaktion
Betrachten Sie die Vogelvitrinen mit dem Gedanken an den, der sie gefüllt hat: ein Bergpriester, der für die Schulen seines Ortes sammelte und in den ersten Reihen des Italienischen Alpenvereins stand. Das Calderini ist ein Museum dieser Art geblieben, gewachsen aus angehäufter privater Neugier und nicht aus einem Plan, und man sieht es: In den Sälen liegen ein Vogel, ein ägyptisches Fundstück und ein Brief Garibaldis nebeneinander, weil sie irgendwann jemand hierher getragen hat. Es ist das Gegenteil eines am Schreibtisch entworfenen Museums, und darin liegt seine beste Eigenschaft. Die Pinakothek belegt den ersten und zweiten Stock desselben Hauses: eine Tür weiter, und man geht von den Naturwissenschaften zu Gaudenzio Ferrari.
