Die Wallfahrtskirche Madonna delle Grazie entstand zusammen mit dem Franziskanerkloster durch Pater Bernardino Caimi zwischen 1486 und 1493, in eben den Jahren, in denen die Arbeiten am Sacro Monte begannen. Im Dezember 1931 erhob Papst Pius XI. sie zur Basilica minor.
Sehenswertes
Von außen ist die Kirche schmucklos und verrät nichts. Innen ist der Stil gotisch und nüchtern, mit Bögen, die den nackten Dachstuhl tragen, und der Raum wird von einer bis zur Decke reichenden Wand geteilt, dem Tramezzo: Er trennt den Raum der Gläubigen von jenem der Brüder und ruht auf drei Rundbögen, dem mittleren als Durchgang und den beiden seitlichen mit Kapellen. Es ist das sogenannte bernardinische Modul, das auf Bernardin von Siena selbst zurückgehen soll.
Der Besuch
Auf diese Wand malte Gaudenzio Ferrari 1513 eines der Meisterwerke der Renaissancemalerei zwischen Piemont und Lombardei. Es erzählt das Leben und die Passion Christi auf einer Fläche von 10,4 Metern mal 8: zwanzig gleich große Felder führen von der Verkündigung bis zur Auferstehung, nach dem Schema der Biblia pauperum, und in der Mitte zieht eine Szene von vierfacher Größe den Blick auf sich, die Kreuzigung.
Tipp der Redaktion
Um 1880 kam Jacob Burckhardt hier vorbei und ging mit einem Satz, der als Besuchsanweisung taugt: welch künstlerischer Glanz von dieser armseligen Kirche ausstrahlt. Das Kloster, von dem heute nur ein kleiner Teil vom Platz mit dem Denkmal für Gaudenzio Ferrari zu sehen ist, hatte zwei Kreuzgänge, die Bibliothek und die Werkräume für den Bau des Sacro Monte; die Franziskaner verließen es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, und seit 1953 gehört die Anlage den Missionsschwestern Jesu des Ewigen Priesters.
