⛪ Kirchen und Heiligtümer

chiesa di San Nicolò La Latina

📍 Sciacca, Sizilien · 50/100

Der Name stammt nicht aus Sciacca, sondern aus Jerusalem: 1172 kam die Kirche unter die Abtei San Filippo di Argirò und das Benediktinerkloster Santa Maria Latina in Jerusalem, und aus dieser Bindung blieb ihr das Beiwort. Sie stand da schon mindestens eine Generation: Die Gründung fällt zwischen 1100 und 1136, und die Überlieferung schreibt sie der Gräfin Giulietta zu, der Tochter des Grafen Roger von Hauteville. Es ist die älteste Kirche der Stadt, im Rabato, dem unter islamischer Herrschaft angelegten Viertel.

Sehenswertes

Die Giebelfassade besteht aus örtlichem Kalkstein, ein Rahmen zieht sich um ihren gesamten Umriss: unten ein Portal, darüber drei Fenster mit doppelt zurückgestufter Umrahmung, in einer Reihe über die Wand verteilt. Skulpturen oder Statuen gibt es nicht, und die Mischung aus arabischen und normannischen Elementen steckt im Bau selbst, nicht im Schmuck: Forscher schließen nicht aus, dass arabische Handwerker aus dem Viertel mitgearbeitet haben.

Im Inneren folgt der Grundriss einem lateinischen Kreuz, mit einem einzigen Schiff und offener Holzdecke. Die Rückwand öffnet sich in drei halbrunde Apsiden nebeneinander, das Detail, das am deutlichsten auf das arabisch-normannische Formengut verweist; weit oben lassen kleine gestufte Fenster nur wenig Licht herein. Die Wände waren einst ganz nach byzantinischer Art ausgemalt: geblieben sind Fragmente, Farbflecken und einige kaum noch lesbare Figuren. Vom benachbarten Benediktinerkloster sind nur geringe Spuren übrig.

Der Besuch

Die Kirche steht an der Piazza San Nicolò im oberen Rabato: vom Zentrum sind es zehn Minuten bergauf zu Fuß, das Auto lässt man besser unten stehen. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, den größten Teil des Jahres bleibt sie geschlossen; besichtigen lässt sie sich vor allem bei den Aktionswochenenden mit Sonderöffnungen im Herbst oder auf Anfrage bei der Pfarrei und im Tourismusbüro. Zwanzig Minuten reichen, der Raum ist ja nur einer; zum Eingang führen Stufen, barrierefrei ist er nicht.

Tipp der Redaktion

Steht die Tür offen, treten wir ein und bleiben eine Minute stehen, bevor wir uns umsehen: Das Licht aus den kleinen Fenstern ist schwach, und die Freskenreste lösen sich erst heraus, wenn das Auge sich gewöhnt hat. Danach gehen wir hinauf zu Santa Maria delle Giummare, etwas höher im selben Viertel: die andere normannische Gründung, die die örtliche Überlieferung mit dem Namen der Gräfin Giulietta verbindet.

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