Die Wände der beiden Schluchten sind durchlöchert wie eine Wabe: viereckige Kammern, in den Kalkstein geschlagen, eine neben der anderen, über Kilometer hinweg. Es sind Gräber. Die überlieferte Zählung nennt 5.000, die jüngste Erhebung bleibt knapp unter 4.000. Die Sikeler schlugen sie zwischen dem 13. und dem 7. Jahrhundert v. Chr., nachdem die Küstensiedlungen aufgegeben worden waren und sich die Bevölkerung auf diesen Sporn zwischen Anapo und Calcinara zurückzog, geschützt von kaum begehbaren Tälern. Pantalica hielt sich rund sechshundert Jahre, etwa von 1250 bis 650 v. Chr.; manche Archäologen setzen den Ort mit Hybla gleich, der Stadt des Königs Hyblon, der den Megarern laut Thukydides das Land überließ, auf dem 728 v. Chr. Megara Hyblaea entstand. Seit 2005 gehört Pantalica zusammen mit Syrakus zum UNESCO-Welterbe.
Sehenswertes
Fünf Nekropolen sind gesichert, Pfade und Aussichtskanzeln führen daran vorbei. Filiporto auf der Seite von Ferla zählt fast tausend Gräber und liegt neben einem gewaltigen, in den Fels geschnittenen Graben: griechische Militärtechnik, wohl aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und möglicherweise Teil des Verteidigungssystems des Dionysios von Syrakus. Die Nordwest-Nekropole gehört zu den ältesten, 12. und 11. Jahrhundert v. Chr.; die Cavetta mischt Gräber und Felswohnungen; die Nord-Nekropole ist die eindrucksvollste, tausend Kammern an senkrechten Wänden über dem Calcinara; die Süd-Nekropole folgt dem Anapo über mehr als einen Kilometer.
Oben auf dem Sporn steht das Anaktoron, der sogenannte Fürstenpalast: das einzige Steingebäude der Anlage, gequaderte Blöcke, rechteckige Räume, ausgegraben von Paolo Orsi. Die Datierung ist umstritten, für manche späte Bronzezeit mit mykenischen Anklängen, die byzantinische Nutzung dagegen gesichert, belegt durch Dachziegel und Keramik. Byzantinisch sind auch die Felsdörfer und die drei kleinen Höhlenkirchen Grotta del Crocifisso, San Nicolicchio und San Micidiario, in denen schwache Reste von Fresken überdauert haben, ein Pantokrator zwischen zwei Engeln. In der Nekropole von San Martino trägt das Hypogäum des Dionysios über dem Eingang eine Inschrift: «Dionysios, der 34 Jahre lang als Presbyter der Erghitanischen Kirche gedient hat, schläft hier den ewigen Schlaf».
Der Besuch
Es gibt keinen einzelnen Eingang und keine einzelne Route: Pantalica wird gegangen. Zwei Zugänge: von Ferla führt eine Straße mit dem Auto auf die Hochfläche, von Sortino aus steigt man zu Fuß auf dem alten Saumpfad ab und quert den Calcinara. Im Talgrund läuft die Trasse der 1956 stillgelegten Eisenbahn, heute ein ebener Weg durch Tunnel und über Brücken, mit der restaurierten alten Station und Tafeln zu Tieren und Pflanzen: der bequemste Weg, in der Schlucht zu bleiben. Für die großen Nekropolen und das Anaktoron braucht man einen ganzen Tag, feste Schuhe und Wasser im Rucksack, denn in den Mittagsstunden gibt es fast keinen Schatten. Das gesamte Gebiet ist Naturschutzgebiet: Pantalica, Anapo-Tal und Cava Grande.
Tipp der Redaktion
Wir verbinden den Weg mit dem Archäologischen Museum Paolo Orsi in Syrakus: die Beigaben aus diesen Gräbern, rot polierte Gefäße, Bronzefibeln, Ringe, Dolche, stehen dort, und ohne sie bleiben die Wände eine Reihe von Löchern. Und kommen Sie bei tiefem Licht, früh am Morgen oder in der letzten Nachmittagsstunde: streifend zeichnet es die Kammern einzeln nach, und die Schlucht ist dann keine Aussicht mehr, sondern eine Volkszählung.
