Am 13. März 1996 führte ein schwerer Baufehler in den zentralen Pfeilern zum Einsturz der Kuppel und der Schiffe der Kathedrale San Nicolò in Noto — der Auftakt zu einem aufwendigen, quellengetreuen Wiederaufbau, der 2007 abgeschlossen wurde. Die Mutterkirche der Diözese Noto, die Papst Benedikt XVI. 2012 zur Basilica minor erhob, beherrscht das Stadtzentrum von einer breiten Freitreppe mit drei Läufen aus. Der erste Bau begann 1694 und war 1703 vollendet; er gehört ganz zum barocken Erbe des Val di Noto, das die UNESCO schützt.
Sehenswertes
Die monumentale Fassade aus weichem Kalkstein trägt die Handschrift von Rosario Gagliardi, einem der bedeutendsten Architekten des europäischen 18. Jahrhunderts. Flankiert wird der Bau von zwei Glockentürmen, deren Architektur französische und sizilianische Vorbilder aufgreift, dazu kommen Details im Geist des späten Cinquecento und das große Mittelfenster aus dem Repertoire von Andrea Pozzo. Den oberen Abschluss bilden die vier Evangelistenstatuen, die Giuseppe Orlando 1796 schuf, während das bronzene Hauptportal von Giuseppe Pirrone aus dem Jahr 1982 Episoden aus dem Leben des heiligen Corrado Confalonieri zeigt.
Das dreischiffige Innere folgt dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes und birgt bedeutende Kunstwerke. Im Seitenschiff wird die silberne Urne mit den sterblichen Überresten des heiligen Corrado Confalonieri aufbewahrt, die zum Teil aus Noto Antica stammt. In der Apsis stehen zwei geschnitzte und vergoldete Bischofsthrone des 18. und 19. Jahrhunderts, das hölzerne Chorgestühl, das marmorne Wappen von Bischof Angelo Calabretta und der Hochaltar aus polychromem Marmor mit dem Triptychon von Nicola Arduino. Der 2011 eingeweihte Bilderzyklus umfasst das große Pfingstfresko und die vier Evangelisten in den Kuppelzwickeln von Oleg Supereko, die Fenster des Tambours von Francesco Mori sowie die liturgische Ausstattung aus versilberter Bronze — Altar, Kreuz und Ambo —, die Giuseppe Ducrot in Anlehnung an Bernini gestaltet hat.
Der Besuch
Zur Kathedrale gelangst du über die Freitreppe aus dem 18. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert umgebaut wurde. Bei den Restaurierungen zwischen 2000 und 2007 wurden die eingestürzten Teile mit historischen Materialien wieder aufgemauert: weißer Kalkstein, Sandstein, Stein aus Modica, Dachstühle aus Holz und Gewölbe aus Rohrgeflecht und Gips, ergänzt durch moderne Erdbebensicherungen aus Kohlenstofffaser.
Tipp der Redaktion
Achte im Inneren darauf, wie das Licht durch die Fenster von Francesco Mori auf den Altarraum fällt, und vergleiche das Weiß der wiederaufgebauten Schiffe mit den bildhauerischen Details der Urne des heiligen Corrado und der Ausstattung von Giuseppe Ducrot.
