Am 11. Januar 1693 um 13:30 Uhr machte das stärkste jemals auf italienischem Boden registrierte Erdbeben das alte Noto dem Erdboden gleich: Die Stadt lag auf dem Monte Alveria, rund 8 Kilometer von der heutigen entfernt. Bis dahin galt Netum als uneinnehmbare Festung, auf einem herzförmigen Hochplateau gelegen, von tiefen Schluchten geschützt und nur über eine schmale, befestigte Landbrücke zu erreichen. Mit mehr als 60.000 Toten im gesamten Val di Noto beendete das Beben eine über Jahrtausende ununterbrochene Geschichte, die in der frühen Bronzezeit mit der Castelluccio-Kultur begonnen hatte und unter Sikelern, Griechen, Römern, Arabern und Normannen weiterlief.
Sehenswertes
Die Reste der mittelalterlichen und der Renaissancestadt liegen auf dem Monte Alveria unter dichter Vegetation, geschützt von mächtigen Stadtmauern, die zu weiten Teilen noch sichtbar sind. An der Landbrücke, dem einzigen Zugang, erhebt sich die normannische Burg, die Herzog Jordan, Sohn Rogers des Normannen, ab 1091 errichten ließ und die Vizekönig Gonzaga 1542 verstärkte. Zwischen den Ruinen haben sich die Strukturen des Zisterzienserklosters Santa Maria dell'Arco erhalten, 1212 von Isimbardo Morengia gegründet.
Aus den älteren Phasen sind drei in den Fels gehauene Räume überliefert, gedeutet als ein Gymnasion und zwei Heroa — ein Zeugnis des Ansehens, das die Stadt unter den Griechen genoss. Das spätantike und byzantinische Erbe umfasst Höhlenviertel und das christliche Hypogäum Grotta delle 100 bocche, daneben die jüdische Katakombe, die als Grotta del Carciofo bekannt ist. Außerdem finden sich Spuren der Schachtgräber-Nekropolen der dritten sikelischen Periode und aus griechischer Zeit.
Der Besuch
Auf dem Grabungsgelände kannst du den alten Straßen der Stadt folgen und die Reste der städtischen Befestigungen sehen, darunter Tore und Mauerzüge, die nie mit Gewalt genommen wurden. Der Weg führt bis in die umliegenden Täler und zu den Felshöhlen, die über die Hänge des Alveria verstreut sind; dort lebte um 1330 auch San Corrado Confalonieri, bis er 1351 starb.
Tipp der Redaktion
Wenn du über die schmale Landbrücke gehst, schau dir das Mauerwerk der normannischen Burg genau an: Daran erkennst du die verschiedenen Verteidigungsschichten, die im 16. Jahrhundert zum Schutz der Feste hinzukamen.
