⛪ Kirchen und Heiligtümer

duomo di Siracusa

📍 Siracusa, Sizilien · 70/100

Neun dorische Säulen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stehen hier nicht als Fundstücke: Sie tragen die Flanke einer Kathedrale, die noch in Gebrauch ist. Der Dom von Syrakus ist der Athena-Tempel, den der Tyrann Gelon nach dem Sieg von Himera 480 v. Chr. auf dem höchsten Punkt von Ortigia errichten ließ und den Bischof Zosimos im 7. Jahrhundert in eine christliche Kirche verwandelte. Athenaios berichtet, am Giebel habe der große vergoldete Schild der Göttin geleuchtet, ein Merkzeichen für alle, die zum Hafen segelten; Cicero, der im Prozess gegen Verres die Beute des Statthalters auflistete, erwähnt Elfenbein, goldene Beschläge an den Türen und siebenundzwanzig Bildnisse der Stadttyrannen. Ab 878 Moschee, nach der normannischen Rückeroberung von 1086 wieder Kirche, hielt der Bau dem Erdbeben von 1693 stand, das halb Ostsizilien niederwarf: Die Fassade stürzte ein, die griechischen Säulen nicht. Seit 2005 gehört er mit dem übrigen Syrakus und der Nekropole von Pantalica zum UNESCO-Welterbe.

Sehenswertes

Die barocke Schauseite stammt von Andrea Palma und entstand zwischen 1728 und 1753 anstelle der normannischen: zwei übereinanderliegende Ordnungen, unten sechs korinthische Säulen, oben vier, dazu fünf Statuen von Ignazio Marabitti — Petrus, Paulus, Marcianus, Lucia und die Immaculata. Vom griechischen Tempel sind außen an der linken Flanke einige Säulen samt Stylobat ablesbar; drinnen zählt man neun aus der rechten Peristase und zwei vor der Cella, gedrungen, kanneliert, von den Kirchenmauern umschlossen. Das Athenaion war hexastyl und peripteral, mit vierzehn Säulen an den Langseiten: weißer syrakusanischer Kalkstein unter dünnem Stuck, im oberen Teil Marmor von den Kykladen.

Das Taufbecken ist eine griechische Amphore aus den Katakomben von San Giovanni, aufgesetzt auf romanische Bronzelöwen. In der Sakramentskapelle steht das von Luigi Vanvitelli entworfene Ziborium, ein Tempelchen aus vergoldetem Holz; wenig weiter die Madonna della Neve von Antonello Gagini, Marmor von 1512. Die Lucia-Kapelle bewahrt die Reliquien der Stadtpatronin — Knochenstücke, ein Gewand, einen Schleier, ein Paar Schuhe — und das Silberbildnis von Pietro Rizzo aus dem Jahr 1599, das drei Splitter ihrer Rippen in der Brust trägt: Es zieht am ersten Maisonntag und am 13. Dezember in Prozession durch die Stadt. Marmorziegel und Wasserspeier in Löwenkopfform aus dem Tempel liegen im Museo archeologico regionale Paolo Orsi, benannt nach dem Archäologen, der hier zwischen 1907 und 1910 grub.

Der Besuch

Man kommt zu Fuß: Nach Ortigia fahren kaum Autos hinein, also vor der Brücke abstellen und eine Viertelstunde durch die Gassen gehen. Der Eintritt in die Kathedrale kostet einen kleinen Betrag; an Gottesdiensttagen verkürzen sich die Zeiten, und es bleibt ein Ort des Gebets, Schultern also bedecken. Für den Innenraum reichen dreißig bis vierzig Minuten. Der lange, leicht geschwungene Platz verdient ebenso viel: Am Ende steht Santa Lucia alla Badia, wo einst Caravaggios Begräbnis der heiligen Lucia hing, heute in Santa Lucia al Sepolcro. Am 13. Dezember, dem Fest der Heiligen, ist der Platz voll und der Eintritt mühsam.

Tipp der Redaktion

Gehen Sie vor dem Eintreten einmal außen herum und suchen Sie die linke Flanke: Die Tempelsäulen brechen aus der Kirchenmauer, und man begreift in einem Augenblick, was hier in fünfundzwanzig Jahrhunderten geschehen ist. Drinnen stellen Sie sich neben eine Säule und schauen nach oben: Das Dach des Mittelschiffs ist normannisch, das Gebälk barock, der Stein stammt von Gelon.

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