Es ist eine der wenigen Kirchen der Welt, die einem englischen Heiligen geweiht sind: Der Dom von Marsala trägt den Namen des Thomas von Canterbury, jenes Erzbischofs, der in seiner eigenen Kathedrale ermordet und 1173 heiliggesprochen wurde. Die Mutterkirche der Stadt, die größte von Marsala, wurde der Überlieferung nach um 1176 in normannischer Zeit errichtet, und ihre Weihe fällt zwischen 1173 und 1189: eine fast unmittelbare Hommage an den neuen Heiligen, in einem Sizilien, das eng mit der anglonormannischen Krone verbunden war. Heute steht ihr als Titularbischofssitz von Lilybaeum auch der Rang einer Kathedrale zu.
Sehenswertes
Die Fassade mischt zwei Zeiten: Die untere Ordnung ist barock, die zweite und der Glockenturm, ein Jahrhundert später vollendet, zeigen ein leichteres Spätbarock. Im Inneren ist die Kirche ein Museum sizilianischer Renaissanceskulptur: Zwischen den Kapellen der beiden Seitenschiffe findest du Werke aus der Werkstatt der Gagini — von Antonello über Antonino bis zu den Sarkophagen des Domenico Gagini — und daneben Berrettaro, Mancino und Di Battista. Viele dieser Meisterwerke, etwa die Grabmäler der Gagini und die Madonna dell'Itria von Antonino Gagini aus dem Jahr 1564, kamen aus der abgerissenen Kirche del Carmine hierher. Der Grundriss ist der einer Basilika, die zwischen 1497 und 1590 mehrfach erweitert wurde, wobei der alte normannische Kern im Bereich des Altars noch ablesbar ist.
Der Besuch
Die Kuppel, die du siehst, ist nicht die historische: Die ursprüngliche stürzte 1893 ein, und die Kirche blieb rund zehn Jahre geschlossen; die heutige wurde 1950 neu errichtet und 2016 restauriert. Es lohnt sich, in Ruhe hineinzugehen und Kapelle für Kapelle nach den Signaturen der Gagini zu suchen, nach den Grabplatten und Sarkophagen aus den verschwundenen Kirchen der Stadt.
Tipp der Redaktion
Bleib vor dem Eintreten auf der Piazza della Repubblica stehen: Der Dom beherrscht sie mit seiner Front, und von hier aus beginnt der Spaziergang durch das Zentrum von Marsala. Drinnen halte Ausschau nach der Madonna dell'Itria von 1564: Sie zeigt, wie viel die Werkstatt der Gagini für diese Kirche gearbeitet hat.
