Wenn man zwischen Ponte Vecchio und Palazzo Pitti geht, durchquert man einen kleinen Platz mit einer Kirche und einem seltsamen Portikus, und fast niemand hält an: Dabei ist drinnen die Kreuzabnahme von Jacopo Pontormo, eines der radikalsten Bilder des italienischen sechzehnten Jahrhunderts. Die Kirche ist uralt, vielleicht die älteste von Florenz nach San Lorenzo: Sie entstand über einem frühchristlichen Friedhof des vierten Jahrhunderts, mit ziegelgedeckten Gräbern und den griechischen Grabsteinen der syrischen Kaufleute, die das Christentum hierher brachten; sie liegen noch unter dem Boden. Der Portikus an der Fassade ist der Vasari-Korridor, der 1565 darüber hinwegging und eine Loge einbaute: Von dort hörten die Großherzöge die Messe, ohne unter die Leute zu gehen.
Sehenswertes
Die Capponi-Kapelle, gleich rechts beim Eintreten, von Brunelleschi entworfen und von Pontormo zwischen 1525 und 1528 gemalt: die Kreuzabnahme, mit Figuren, die sich übereinander winden in einer Leere ohne Boden und Himmel, den Rosa-, Blau- und säuerlichen Orangetönen, und ohne Kreuz; daneben die an die Wand freskierte Verkündigung, mit der auf der Treppe überraschten Jungfrau, und in den Rundbildern die Evangelisten, einer davon von seinem Freund Bronzino gezeichnet. Es gibt in Italien kein Bild wie dieses, und Pontormo malte es in drei Jahren, eingeschlossen in der zugemauerten Kapelle.
Dann der Kapitelsaal des vierzehnten Jahrhunderts, mit der 1387 von Niccolò di Pietro Gerini freskierten Kreuzigung und den Sieben Tugenden an der Decke; die Sakristei mit Tafeln von Taddeo Gaddi und Neri di Bicci; die Gräber der Guicciardini und Machiavellis, dessen Pfarrei dies war. Draußen auf dem Platz die Säule, die an eine legendäre Schlacht zwischen den Anhängern des heiligen Petrus Martyr und den patarenischen Ketzern erinnert, und unter allem, unsichtbar, die römische Via Cassia und der Friedhof der ersten Christen.
Der Besuch
Die Kirche liegt an der Piazza Santa Felicita, an der Straße vom Ponte Vecchio zum Palazzo Pitti, zwei Minuten von beiden; Eintritt frei zu Kirchenzeiten mit Mittagsschließung. Zwanzig Minuten. Die Capponi-Kapelle hat ein Münzlicht, und es lohnt sich: Ohne es sieht man Pontormos Farben nicht.
Tipp der Redaktion
Schalten Sie das Licht ein und bleiben Sie vor der Kreuzabnahme, bis es ausgeht, dann schalten Sie es wieder ein: Schauen Sie, worauf die Figuren die Füße setzen, und Sie werden merken, dass sie nirgends aufsetzen. Dann treten Sie hinaus und heben die Augen zum Portikus an der Fassade: Das ist der Vasari-Korridor, und hinter jenem Gitter hörten die Medici die Messe, ohne gesehen zu werden. Auf zwanzig Metern liegt das ganze Florenz des sechzehnten Jahrhunderts.
