⛪ Kirchen und Heiligtümer

conservatorio di San Carlo

📍 Pienza, Toskana · 54/100

Der Name führt in die Irre: Das Conservatorio di San Carlo ist keine Musikschule, sondern eine der alten Institutionen von Pienza, im 17. Jahrhundert entstanden und in den folgenden Jahrhunderten gewachsen. Der Komplex begann als Kloster der Augustinerinnen, 1634 gegründet, und wurde 1787 in ein conservatorio femminile umgewandelt — nach dem Vorbild jener Institute, die sich in der Toskana der Zeit um die Erziehung der Mädchen kümmerten.

Die Einrichtung besteht bis heute, inzwischen als Stiftung — die Fondazione Conservatorio San Carlo Borromeo di Pienza —, der mehrere Gebäude in der Stadt gehören.

Sehenswertes

Das wertvollste Stück hängt in der Kirche: Über dem Hochaltar siehst du ein Gemälde, das Francesco Rustici, genannt il Rustichino, zwischen 1620 und 1625 malte, ein sienesischer Maler, der 1626 jung starb und vor allem für seine Szenen im Kerzenlicht bekannt ist. Hier zeigt er die Madonna mit dem Kind und den Heiligen Karl Borromäus, Franziskus, Klara, Katharina von Siena und Johannes dem Täufer.

Bei der Auswahl der Heiligen lohnt ein zweiter Blick: Karl Borromäus war 1610 heiliggesprochen worden, gerade einmal ein Jahrzehnt zuvor. Als Rustichino ihn malte, war der Namenspatron der Kirche also ein ganz frischer Heiliger, ein Zeichen dafür, dass die Verehrung in Pienza fast in Echtzeit einsetzte.

Der Besuch

Der Komplex liegt in der Altstadt von Pienza, wenige Gehminuten von der Piazza Pio II entfernt. Er ist kein Museum, sondern der Sitz einer arbeitenden Institution: Der Raum, den du suchen musst, ist die Kirche mit dem Altarbild des Rustichino über dem Hochaltar. Der Besuch ist in kurzer Zeit erledigt und fügt sich mühelos in einen Rundgang durch das Zentrum ein.

Tipp der Redaktion

Nimm das Conservatorio als Vorwand für das „kleine“ Pienza: Nach dem Dom und dem Palazzo Piccolomini sind es Orte wie dieser — ein Kloster des 17. Jahrhunderts, aus dem erst ein Mädcheninstitut und dann eine Stiftung wurde —, die vom Alltag der Stadt in den vier Jahrhunderten nach dem Projekt von Pius II. erzählen. Und such vor dem Altarbild die heilige Katharina von Siena unter den Figuren: In einer Stadt, die ein sienesischer Papst bauen ließ, steht sie nie zufällig neben Karl Borromäus.

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