Zwischen 1459 und 1462 ließ Papst Pius II. Piccolomini durch den Architekten Bernardo Rossellino die Kathedrale Santa Maria Assunta errichten, das Herzstück der städtebaulichen Erneuerung von Pienza. Für den Neubau wurde die ältere romanische Pieve Santa Maria abgerissen, die von Ost nach West ausgerichtet war; die Kathedrale erhielt stattdessen eine ungewöhnliche Nord-Süd-Achse, um sich in die neue Piazza Pio II einzufügen. Damit der trapezförmige Platz möglichst großzügig ausfiel, rückte Rossellino den Bau so weit wie möglich nach Süden, sodass Apsis und ein Teil des Querhauses unmittelbar auf dem steil abfallenden Hang aufliegen.
Sehenswertes
Die dreiteilige Travertinfassade, von Rossellino nach den theoretischen Vorgaben Leon Battista Albertis entworfen, zeigt vier Pilaster und ein Gesims, das die Geschosse trennt. Im unteren Band öffnen sich die drei Portale, im oberen drei große Bögen auf Säulen, Nischen nach antikem Vorbild und ein zentrales Rundfenster; im Giebelfeld prangt das Papstwappen von Pius II. Außen fallen die gotischen Fenster der Apsis auf und der schlanke Glockenturm, der 1570 nach dem Erdbeben von 1545 wiederhergestellt wurde. Der Turm trägt vier Glocken; die größte wurde 1400 in Cortona gegossen, drei weitere schuf Luigi Magni im 20. Jahrhundert.
Der Innenraum greift das nordische Modell der Hallenkirche auf, das Pius II. auf seinen Reisen kennengelernt hatte: drei gleich hohe Schiffe unter Kreuzgratgewölben, getrennt durch zwei Pfeilerreihen mit Halbsäulen und verzierten Kapitellen. Die Apsis gliedert sich in drei Kapellen, deren gotische Glasfenster für viel Licht sorgen. Die Kirche bewahrt Renaissancegemälde, die der Papst in Auftrag gab, und zwei Pfeifenorgeln: das Hauptinstrument von Enrico Giustozzi, 2024 von Paolo Ciabatti auf 42 Register und rund 2010 Pfeifen erweitert, sowie eine positive Walcker-Orgel im Chor.
Der Besuch
Das Bauwerk ist italienisches Nationaldenkmal und heute Konkathedrale des Bistums Montepulciano-Chiusi-Pienza. Weil der Boden unter dem Apsisbereich abschüssig ist, kam es von Anfang an zu Setzungen. Bei den Sicherungsarbeiten zwischen 1911 und 1934 kamen die Fundamente der alten romanischen Pieve wieder ans Licht.
Tipp der Redaktion
Schau dir das Mittelschiff um die Mittagszeit an, dann verstehst du Rossellinos Idee: Die Anordnung der großen gotischen Fenster setzt der strengen Geometrie der Renaissancefassade einen hellen Gegenpol entgegen.
