Am Canal Grande, kurz vor der Accademia-Brücke, stehen zwei aneinandergebaute Paläste gleichen Namens: Der ältere Teil stammt von 1425, gotisch, mit Spitzbogenfenstern; der daneben wurde am Ende des siebzehnten Jahrhunderts angefügt und birgt einen Ballsaal. Zusammen sind sie das venezianische Haus, das mehr ausländische Schriftsteller und Maler beherbergt hat als jedes andere, und darum wiegen sie schwerer, als es von außen scheint.
Sehenswertes
Vom Wasser aus liest man den Unterschied der beiden Bauteile gut: links die blühende Gotik des Bartolomeo Bon, mit den Fenstergruppen und dem durchbrochenen Steinwerk; rechts die großen, regelmäßigen Fenster des Barock, entworfen von Antonio Gaspari. Der stuckierte Ballsaal liegt hinter jenen Fenstern, und im neunzehnten Jahrhundert war er der Ort, an den man in Venedig abends ging.
Als die Barbaro ausstarben, kaufte eine amerikanische Familie den Palast und beherbergte hier Henry James: In diesen Räumen arbeitete der Schriftsteller, und dieses Haus diente ihm als Vorbild für den venezianischen Palast eines seiner Romane. Auch englischsprachige Maler, Musiker und Dichter gingen ein und aus, und der große Saal wurde in einem berühmten Bild von John Singer Sargent festgehalten.
Der Besuch
Der Palast ist privat und nicht zu besichtigen: Man sieht ihn vom Canal Grande, am besten vom Vaporetto der Linie eins oder von der Accademia-Brücke mit Blick flussab. Zu Fuß kommt man vom Campo San Vidal, doch die gute Front ist die zum Wasser. Zehn Minuten.
Tipp der Redaktion
Nehmen Sie das Vaporetto und stellen Sie sich auf der Strecke zwischen San Samuele und der Accademia an den Bug, den Blick zum rechten Ufer: Die beiden Barbaro ziehen nacheinander vorbei, und in drei Sekunden sieht man den Sprung von einem Jahrhundert ins andere, den durchbrochenen Stein und dann die viereckigen Fenster. So gehören die Paläste dieser Stadt angesehen, die gebaut wurden, um vom Wasser aus gesehen zu werden.
