Torricella Peligna

Provinz: Chieti · Region: Abruzzen · Einwohner: 1.391 · PLZ: 66019

Der Name dieses Orts sagt etwas Falsches, und die Quelle schreibt es ohne Umschweife. Torricella liegt auf der Ostseite der Maiella, zwischen Sangro und Aventino, und in der Antike saßen hier die Carricini, ein samnitischer Stamm, dessen Hauptort Juvanum war; die Peligner waren auf der anderen Seite, gegen Campo di Giove hin, und die Frentaner von Guardiagrele bis Lanciano. Der zweite Name, dieses Peligna, wurde mit der Einigung Italiens 1863 hinzugefügt, und denselben Fehler tragen auch Taranta Peligna und Lama dei Peligni. Die örtliche Überlieferung lässt den Ort aus einem Zug von Flüchtlingen aus Juvanum während der byzantinischen Kriege des sechsten Jahrhunderts entstehen, doch die ersten sicheren Nachrichten stammen aus dem zwölften. Dass man hier viel früher wohnte, sagen die Funde: ein Grab in der Flur Sant'Antonio mit einem Bronzehelm, einem Dolch, einem Halsring, einem Spiralarmreif, vier Ringen und einer Eisenschnalle; ein Steindolch vom Monte Moresco, dem zweiten Jahrtausend vor Christus zugeschrieben, heute im Pigorini-Museum in Rom; und, im Keller eines Landhauses bei Santa Lucia verborgen, ein ostgotischer Spangenhelm aus vergoldetem Kupfer und Eisen.

Im Jahr 1550 wurde ein Leichnam in der Kirche San Giacomo bestattet. Er mumifizierte von selbst, und als man ihn 1989 bei der Restaurierung der Kirche fand, rief man Wunder: mancher hielt ihn für den Leib des Apostels Jakobus. Die Kirche ist die alte Baronskapelle von 1173, im neunzehnten Jahrhundert erneuert. Die Burg dagegen nahm den ganzen oberen Teil des Orts ein, und es gibt sie nicht mehr: die Deutschen, auf der Gustav-Linie im Rückzug, richteten darin das Hauptquartier ihrer Operationen ein und sprengten sie dann, und aus dem Dorf machten sie verbrannte Erde; 1944 bekämpfte sie hier die Maiella-Brigade, in der Schlacht am Sangro. Wo die Burg stand, steht heute der Obelisk für die zivilen Kriegsopfer. Und eine kleine Sache, die weit gekommen ist: 1744 wurde in Torricella Vincenzo Tobia Nicola Bellini geboren, Großvater und erster Lehrer jenes Vincenzo Bellini der Opern.

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