Ebalo II. von Challant ließ sie ab 1343 völlig neu errichten, nachdem ihm ein langer Erbstreit endlich das Lehen Ussel zugesprochen hatte. Entstanden ist die erste Blockburg des Aostatals: ein einziger quaderförmiger Baukörper auf einem Serpentinitfelsen, der zugleich den Eingang ins Valtournenche und den Talboden der Dora Baltea überwacht.
Sehenswertes
Die Südseite, dem Zugangsweg zugewandt, bekam die ganze Steinmetzarbeit: eine Reihe von Biforien, keines wie das andere in Bögen und Säulchen, die schönsten des 14. Jahrhunderts im Tal. Jenes der Hauptfassade besteht aus Kalkschiefer, einem Gestein vom Grund des Tethysmeers. Darüber laufen ein Blendbogenfries und die Zinnen; zwei vorkragende Rundtürmchen und ein Gusserker schützen das Tor. Die Nordseite, senkrecht über Châtillon, setzt zwei quadratische Türmchen und einen mittigen Bergfried dagegen, eher Machtzeichen des Lehnsherrn als Zuflucht. Die Mauern sind für die Zeit dünn, neben den Schießscharten sitzen richtige Fenster mit steinernen Bänken: Hier wurde gelebt, nicht nur gekämpft. In der Form steht sie zwischen dem verspielten Fénis und dem strengen Verrès.
Der Besuch
Im Inneren tritt der nackte Fels hervor und lässt aus drei Geschossen zwei werden; von den monumentalen Kaminen blieben Spuren, übereinander angelegt für einen einzigen Rauchfang. Die Burg öffnet nur im Sommer für Wechselausstellungen. Nach dem Tod von Francesco di Challant 1470 diente sie als Gefängnis, dann als Kaserne, dann verfiel sie; 1846 kam sie an die Passerin d'Entrèves, 1983 an die Region. Die vom Baron Bich, dem Industriellen des Bic-Kugelschreibers, finanzierte Restaurierung endete 1999: Eine durchsichtige Kuppel ersetzt das verlorene Dach, eine Treppe führt auf den Wehrgang.
Tipp der Redaktion
Man geht zu Fuß hinauf, und der Weg mündet genau auf der Südseite: der richtige Blickwinkel, mit den Biforien in einer Reihe. Rund um den Felsen sind noch die Eingänge der alten Magnetitstollen zu sehen.
