Vor jeder Keramik und jeder Inschrift reihen die Vitrinen des Museo nazionale dell'Alta Val d'Agri Stoßzähne und Backenzähne von Elefanten und Pferden auf: Die staatliche Sammlung in Grumento Nova beginnt mit der Paläontologie des Tals und kommt erst danach zum Menschen. Das Museum ist jung, gegründet am Ende des 20. Jahrhunderts neben dem archäologischen Park von Grumentum, und es versammelt, was im gesamten Val d'Agri zutage kam, mit einem großen Teil für die römische Stadt am Fuß des Hügels. Seit Dezember 2014 verwaltet der Staat es über das Polo museale della Basilicata, das im Dezember 2019 zur Direzione regionale Musei wurde.
Sehenswertes
Das Erdgeschoss ist ganz vorrömisch. Da sind Keramikscherben der Bronze- und Eisenzeit mit geometrischen Mustern und punktierten Bändern, dann die Önotrer, die einheimische Bevölkerung des Tals, kenntlich an ihren langen spiralförmigen Armreifen; einige ionische Schalen bezeugen die Kontakte zu den Griechen. In den Grabbeigaben klassischer und hellenistischer Zeit stehen große schwarz gefirnisste Gefäße und Bronzegarnituren für den Wein beim Gastmahl, in den Frauengräbern liegen Feigen und Walnüsse aus Ton. Aus der Nähe anzusehen sind der Guttus mit einem Feigenblatt in Relief auf der Scheibe und einem Andreaskreuz unter dem Ausguss sowie die attischen rotfigurigen Peliken, die dem Haken-Maler zugeschrieben werden.
Das Untergeschoss ist das römische Grumentum, in sechs Gruppen nach Fundort oder Fundgattung geordnet. Es beginnt mit dem Stein: ein Porträt der Livia aus dem 1. Jahrhundert, eine Grabstele mit einem Ehepaar, das Bruchstück einer Elfenbeinpyxis mit einer Symposionsszene. Es folgen die vier Tempel der Stadt mit Terrakotten, bemaltem Putz, kleinen Bronzeglöckchen und einem Torso des Harpokrates, der ägyptische Kulte schon zwischen dem 1. und 2. Jahrhundert belegt; aus dem Haus der Mosaiken kommen Wasserspeier und viele gestempelte Dachziegel. Den Schluss bilden die Nekropolen mit Aschenurnen und Salbfläschchen und der Saal der Inschriften, wo die Ehrentafel des Tiberius und jene Hadrians neben lukanischen Grabcippi und Münzen stehen, von griechischen des 4. Jahrhunderts v. Chr. bis zu römischen des 5. Jahrhunderts.
Der Besuch
Das Gebäude hat zwei Ebenen, und man geht es abwärts: erst das Vorrömische im Erdgeschoss, dann die Römer eine Ebene tiefer. Unterwegs rekonstruieren Schautafeln das Aussehen der wichtigsten Bauten von Grumentum, und das ist der beste Grund, hier hereinzugehen, bevor man zu den Ausgrabungen hinuntersteigt, die direkt daneben liegen: Theater, Amphitheater und Thermen lesen sich danach viel besser. Das Museum steht ein Stück oberhalb des Sees von Pietra del Pertusillo.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie nicht vor der letzten Vitrine der römischen Abteilung hinaus, jener mit den spätantiken und frühmittelalterlichen Grabbeigaben: neben Messern, Kämmen und Ohrringen liegen eine Fibel in Gestalt eines Vogels mit ausgebreiteten Flügeln und ein Siegelring. Da hat die römische Stadt bereits aufgehört, eine zu sein, und man sieht es.
