Minerbio

Provinz: Bologna · Region: Emilia-Romagna · Einwohner: 8.674 · PLZ: 40061

Die Geburtsurkunde des Ortes ist ein öffentlicher Vertrag. Sie steht im De Pactis Altedi von 1231: auf der Piazza Maggiore in Bologna, vor dem ganzen Volk, übergab der Podestà Federico da Lavellolungo das Gebiet von Altedo und Minerbio an hundertfünfzig Mantuaner Familien. Warum diese Familien aus dem Mantuanischen fortzogen, ist unklar — vielleicht um den Kämpfen zwischen Guelfen und Ghibellinen zu entgehen, vielleicht wegen verschlechterter Umweltbedingungen —, doch sie ließen sich dort nieder, wo noch heute der alte Ortskern liegt, erkennbar am rechtwinkligen Grundriss des Castrum. Durch den heutigen Ortsmittelpunkt lief damals das alte Bett des Savena, das die Gräben des befestigten Dorfes speiste: vom Fluss ist nichts geblieben, doch zwei Straßenstücke knapp außerhalb der Häuser heißen noch immer Savena Inferiore, Richtung Ferrara, und Savena Superiore, Richtung Bologna.

Den Rest schrieben die Isolani, eine Familie von der Insel Zypern — daher vermutlich der Name —, die in Bologna mit dem Seidenhandel reich wurde und hier so lange Land kaufte, bis der Ort ihr gehörte. Domenico Isolani verfügte 1369 testamentarisch, dass eine Kirche zum Gebrauch der Bevölkerung errichtet werde. Die Burg entstand 1403, wurde beim Durchzug der Landsknechte 1527 zerstört und Mitte des sechzehnten Jahrhunderts wieder aufgebaut: im Inneren bewahrt sie einen Freskenzyklus von Amico Aspertini, dessen Vorzeichnungen heute im British Museum liegen. Daneben steht der Taubenturm Colombaia von 1536 mit einer hölzernen Wendeltreppe, die Vignola zugeschrieben wird. Der Bologneser Senat nahm ein freies Gebiet in der eigenen Gerichtsbarkeit nie hin: 1712 flammte der Streit wieder auf, und 1734 verloren die Isolani ihre Rechte endgültig.

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