Der erste belegbare Name dieses Orts ist Pulcarino, in einer Urkunde des dreizehnten Jahrhunderts: er ist eine Entstellung von bulgarinus, von Bulgari, dem Wort für die südslawischen Völker, und weist wahrscheinlich auf die Protobulgaren hin, die der awarische Anführer Alzeco im sechsten Jahrhundert nach Italien führte. Der Ort war von Schiavoni bewohnt, und der Name blieb an ihm haften: noch 1591 hieß er Polcarino de' Schiavoni. Und das war keine Erinnerung, sondern Alltag: im sechzehnten Jahrhundert sprach der größte Teil der Leute hier noch ausschließlich die slawische Sprache, so sehr, dass 1584 bei der Diözese Ariano ein förmliches Gesuch einging, einen Erzpriester slawischer Muttersprache zu erhalten. Der Name Villanova, die neue Stadt, erscheint erst im siebzehnten Jahrhundert; und das «del Battista» wurde durch königliches Dekret vom sechsundzwanzigsten Oktober 1862 hinzugefügt, zu Ehren des Patrons, San Giovanni Battista. Der alte Kern, den man hier noch Paese Vecchio nennt, lag auf dem Hügel San Nicola; heute breitet sich der Ort über drei Hügel, siebenhundertzweiundvierzig Meter hoch, über dem Tal des Ufita, und über den Kamm dahinter läuft der königliche Tratturo von Pescasseroli nach Candela, ein breiter Graspfad, den der Zug von Menschen und Herden geschaffen hat.
Jedes Jahr, am siebenundzwanzigsten August, zieht der Ort einen Obelisken. Man nennt es den tiro del Giglio: das Ding wird gebaut, wo Platz ist, es ist siebenundzwanzig Meter hoch, mit geflochtenem Stroh und Weizen bedeckt, und es wird mit Seilen — und heute mit Hilfe eines Traktors — auf den Platz gebracht, zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers. Früher waren es zwei: ein höherer aus gràlito, dem Wildhafer, etwa fünfundzwanzig Meter und auf neun Ebenen, und ein kleinerer aus Weizen. Gestoppt hat das alles das Erdbeben. Am dreiundzwanzigsten Juli 1930 zerstörte der Stoß den Ortskern und forderte Tote und Verletzte, und den giglio machte man mehr als ein halbes Jahrhundert lang nicht mehr: 1986 nahmen ihn einige Einwohner und die damalige Verwaltung wieder auf. Die Erdbeben sind immer wieder zurückgekehrt — das letzte große 1980 — und die Mutterkirche wurde nach zweien von ihnen wiederaufgebaut; und am zehnten September 1943 verwüstete ein Luftangriff einen Teil des Orts und tötete weitere Menschen. Was hier hält, ist das Gehen: am Sonntag nach dem letzten Samstag im April geht man neun Kilometer zu Fuß bis Zungoli, und im Mai geht man dreiundsechzig bis zur Wallfahrtskirche der Incoronata in Foggia.