In den Höhlen, die sich unter dem Ort zum Fluss Calore hin öffnen, haben Archäologen übereinander die Spuren zweier verschiedener Menschheiten gefunden: Neandertaler, vor siebenundvierzig- bis dreiundvierzigtausend Jahren, und die ersten modernen Europäer, vor dreiundvierzig- bis zweiundvierzigtausend. Es ist einer der Orte, an denen die Frage, wie die einen die anderen ersetzt haben, wirklich am Material untersucht wird. Die Höhlen von Castelcivita sind auch der Grund, weshalb die meisten Besucher hier heraufkommen: sie liegen im Tal, am Fuß der Alburni, im Nationalpark des Cilento.
Der Name des Ortes ist jünger, als er aussieht: er wurde 1863 durch königliches Dekret gemacht, indem man den Namen des Dorfes Castelluccia mit dem von Civita verband, das weiter oben lag. In den Urkunden von 1171 und später in den anjouinischen und aragonesischen heißt der Ort schlicht Castelluccia — ein Name, der auf eine kleine römische Festung zurückgeht, eine Castella, deren Linien man noch in der Anordnung von Mauern und Türmen las. Unter der Kirche San Cono liegt eine Unterkirche, die man für den Sitz des Bischofs von Paestum im fünften oder sechsten Jahrhundert hält, gewonnen dadurch, dass man die Bauten des alten Forums christlich weiterlas. Um jene Kirche hat der Ort vier Viertel, im rechten Winkel an zwei Hauptstraßen angeordnet; der vollständige Mauerring wird einem großen Lehnsmann zugeschrieben, der ihn auf Befehl Karls I. von Anjou bauen ließ. Die Häuser fallen stufenweise den Sporn hinab, auf fünfhundertsiebenundachtzig Metern.