Von den vier Papstbasiliken Roms ist Sankt Paul vor den Mauern die größte nach dem Petersdom. Sie steht an der Via Ostiense, rund zwei Kilometer außerhalb der Aurelianischen Mauer, an der Stelle, an der die Überlieferung das Grab des Apostels Paulus ansetzt: Es liegt bis heute unter dem Papstaltar, und seit dem achten Jahrhundert hüten die Benediktiner der angeschlossenen Abtei die Votivlampe darüber.
Die erste Basilika, 324 unter Konstantin geweiht, wurde am Ende des vierten Jahrhunderts durch einen fünfschiffigen Bau ersetzt, den die Kaiser Theodosius, Arcadius und Valentinian II. wollten und der 395 unter Honorius fertig wurde. Dieser Bau überstand fast vierzehn Jahrhunderte nahezu unversehrt, bis ihn am 15. Juli 1823 ein Feuer zum großen Teil zerstörte, das vom Dach ausging, wo ein Arbeiter die Regenrinnen ausbesserte. Der Wiederaufbau, zuerst unter Pasquale Belli und dann unter Luigi Poletti, griff den antiken Grundriss wieder auf: Gregor XVI. weihte 1840 das Querschiff, 1854 folgte die ganze Basilika vor den Augen von Pius IX. Seit 1980 gehört die Anlage zum UNESCO-Welterbe.
Sehenswertes
Der Innenraum misst 131 Meter in der Länge und 65 in der Breite, 80 Säulen teilen die fünf Schiffe. Über den Arkaden läuft die Reihe der Medaillons mit den Papstporträts, eine von Leo I. im fünften Jahrhundert begonnene Tradition: Einige Originale, die dem Brand entgingen, werden im Kloster aufbewahrt. Über dem Grab des Apostels erhebt sich das Ziborium, das Arnolfo di Cambio 1285 gemeißelt hat.
In der Vorhalle öffnen sich die Heilige Pforte, die nur in den Heiligen Jahren aufgeht, und die byzantinische Tür: 56 Bronzetafeln mit eingravierten Szenen aus dem Leben Christi und der Apostel, 1070 von Pantaleone in Auftrag gegeben, dem amalfitanischen Konsul in Konstantinopel. Der Kreuzgang der Abtei entstand zwischen 1220 und 1241.
Der Besuch
Zum Wiederaufbau im 19. Jahrhundert trugen Herrscher aus aller Welt bei: Der ägyptische Vizekönig Muhammad Ali schenkte Alabastersäulen, der russische Zar den Malachit und die Lapislazuli für die Altarfronten. Die gesamte Anlage liegt zwar auf italienischem Boden, ist aber exterritorialer Besitz des Heiligen Stuhls, wie der Vatikan. Seit 1300, dem ersten Heiligen Jahr, gehört die Basilika zur Route der Jubiläumspilger, und hier wird der Ritus der Öffnung der Heiligen Pforte gefeiert.
Tipp der Redaktion
Such im Chorraum das hölzerne Gestühl mit dem britischen Königswappen: Es ist der Sitz für Charles III., der im Oktober 2025 während einer ökumenischen Feier als Mitbruder der Abtei aufgenommen wurde, eingeschnitzt der Satz aus dem Evangelium Ut unum sint. Ein brandneues Detail in einer siebzehn Jahrhunderte langen Geschichte: Wenn du einem der Mönche begegnest, lass dir davon erzählen.
