1840 erhielt Michele Canzio, Bühnenbildner am Teatro Carlo Felice, einen ungewöhnlichen Auftrag: einen Park zu entwerfen, wie man ein Bühnenstück entwirft. Herausgekommen ist ein Rundgang aus Prolog und drei Akten, samt Szenenwechseln, den Marchese Ignazio Alessandro Pallavicini 1846 vor den Botanikern eröffnete, die zum VIII. Kongress der italienischen Wissenschaftler angereist waren. Der Kern ist älter: Der Palast aus dem 17. Jahrhundert gehörte den Grimaldi, und 1794 legte Marchesa Clelia Durazzo hier den botanischen Garten an, der bis heute ihren Namen trägt. 1928 überließ Matilde Giustiniani, Witwe des letzten Durazzo Pallavicini, das gesamte Anwesen der Stadt Genua, unter zwei Bedingungen: kulturelle Nutzung für das Gebäude, offene Tore für den Park.
Sehenswertes
Der Prolog beginnt auf dem Vorplatz der Villa, zwischen Steineichen und Lorbeer, und führt zum klassizistischen Coffee House mit den vier Statuen von Carlo Rubatto. Kurz danach schließt der Triumphbogen mit dem Schmuck von Giovanni Battista Cevasco die erste Szene: Eine lateinische Inschrift kündigt an, dass man die Stadt zugunsten des Waldes verlässt, und auf der Rückseite wird der Bogen zu einem bäuerlichen Gehöft. Hier setzt der Akt der Natur ein, mit einer der ältesten Kameliensammlungen Italiens: Die Pflanzen wurden zwischen 1856 und 1877 von Obergärtner Carlo Moroni gesetzt, und rund 160 stehen noch im Wald.
Weiter geht es bergauf zwischen Seekiefern zum zweiten Akt, dem der Geschichte, für den Canzio künstliche mittelalterliche Ruinen bauen ließ: die gotische Marienkapelle, die quadratische Burg mit dem freskierten Rundturm, das Mausoleum des Hauptmanns, die Gräber der Helden. Der dritte Akt heißt Läuterung und wird im Dunkeln durchquert, in einer Grotte, die die Unterwelt darstellt; heraus kommt man am Großen See, mit dem Diana-Tempel mitten im Wasser, der eisernen Brücke im orientalischen Stil, der chinesischen Pagode, dem ägyptischen Obelisken und dem türkischen Tempel. Im Palast sitzt seit 1936 das Museum für ligurische Archäologie.
Der Besuch
Der Eingang liegt an der Via Pallavicini, direkt neben dem Bahnhof Genova-Pegli: Aus dem Zentrum lohnt sich der Zug, denn beim Aussteigen steht man schon am Tor. Der Park umfasst 97.000 Quadratmeter am Hang des Hügels San Martino, es geht also fast immer bergauf, über Treppen und festgetretene Wege: besser feste Schuhe als Sandalen. Geöffnet ist täglich außer montags. Wer Pegli vor den Neunzigerjahren kannte, erinnert sich an verschlossene Tore: Der Bau des Autobahntunnels darunter hatte den Park beschädigt, der 1992 wieder öffnete und erst 2016 wieder vollständig war. Im Jahr darauf, 2017, wurde er zum schönsten Park Italiens gewählt.
Tipp der Redaktion
Nehmen Sie keine Abkürzungen: Der Weg hat eine feste Reihenfolge, und seine Wirkung entsteht nur, wenn man sie einhält, angefangen beim Wechsel vom Dunkel der Grotte zum Licht am See. Wer den Monat wählen kann, kommt zwischen Februar und März, wenn die Kamelien blühen. Und bevor Sie gehen, bleiben Sie auf der Terrasse vor dem Palast stehen: Dort versteht man, wie sehr das Gebäude einst die Ebene beherrschte, bevor die Wohnblocks der Nachkriegszeit sie füllten.
