Der mittlere Pfeiler des Gorsexio-Viadukts ist 172 Meter hoch, und auf den obersten vierzig Metern ist er kein einziger Schaft: Er teilt sich je Fahrbahn in zwei schlanke Scheiben, damit das Bauwerk beweglich bleibt und die Verformungen des Überbaus aufnimmt. Unten fließt ein Bach, den kaum jemand auf der Karte fände, der Gorsexio; oben verläuft die Autobahn A26, hier zugleich Europastraße E25, genau auf der Grenze zwischen Genua und Mele.
Sehenswertes
Das Viadukt ist 672 Meter lang und ruht auf sechs Feldern unterschiedlicher Stützweite, die drei größten messen 144 Meter. Alles besteht aus Ortbeton: Die Pfeiler wuchsen mit Kletterschalung, der Überbau entstand im Freivorbau, Abschnitt für Abschnitt in die Luft hinaus, ohne Gerüst vom Talboden. Die oberen Pfeilerteile und der Überbau sind aus Spannbeton.
Es gibt zwei Überbauten, einen je Fahrbahn, jeder 13,05 Meter breit; auf den letzten 207,60 Metern Richtung Alessandria verbreitert sich der Querschnitt auf 16,55 Meter, um die Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen der nahen Raststätte aufzunehmen. Der Entwurf stammt von den Ingenieuren Silvano Zorzi, Giorgio Grasselli und Enrico Faro vom Büro IN.CO., im Auftrag der Società Autostrade; gebaut hat von 1972 bis 1978 die CMC aus Ravenna.
Der Besuch
Ein Denkmal mit Kasse ist das nicht: Über den Gorsexio fährt man, im Auto oder im Bus, auf der A26 zwischen Voltri und dem Hinterland. Die Autobahn wurde am 11. August 1977 für den Verkehr freigegeben; damals war nur die Südfahrbahn befahrbar, die Nordfahrbahn folgte im Juni 1978. Wer selbst lenkt, merkt kaum etwas davon, weil die Fahrbahn schnurgerade verläuft; erst der Beifahrer sieht beim Blick zur Seite, wie das Tal zwischen zwei Pfeilern wegsackt.
Tipp der Redaktion
Wir empfehlen, dieselbe Strecke noch einmal auf der Staatsstraße 456 del Turchino zu fahren, die mitten durch Mele führt: Sie ist der alte Weg, dem die Autobahn zur Seite gestellt wurde, sie steigt in Kehren an und braucht ein Vielfaches an Zeit. Der Vergleich der beiden Trassen erklärt besser als jede Zahlenreihe, was diese sechs Baujahre bedeuteten. Und wer mitfährt statt zu lenken, sollte auf die Pfeiler achten: Die gekoppelten Scheiben sind die Handschrift von Silvano Zorzi.
